Wenn es in der französischen Regierung einen wahrhaft europafreundlichen Politiker gibt, ist es Pierre Moscovici. Der Finanzminister - nach Präsident François Hollande der wichtigste Mann in der Krise - hat als früherer Europaminister intime Kenntnis von Vorgängen in der Union. Er weiß, wie heikel und entscheidendend das Verhältnis zum wichtigsten Partner, zu Deutschland, ist - letztlich für das Wohl und Wehe Frankreichs.

Deshalb ist es kein Wunder, dass Moscovici in einem Interview mit "Le Monde" ausrückte, um mit scharfen Worten zurückzuweisen, was der linke Flügel in seiner Partei verlangt: die direkte "Konfrontation" mit Deutschland, weil Kanzlerin Angela Merkels Wirtschaftspolitik nicht im Sinne der Franzosen sei; weil sie zu viel spare, zu wenig fürs Wachstum tue; weil die Deutschen zu wenig konsumierten.

So hat es Claude Bartolone formuliert, immerhin Präsident der Nationalversammlung. Eine solche Idee sei falsch und total kontraproduktiv, wies Moscovici ihn scharf zurecht. Zum einen gehe das von der irrigen Tatsache aus, die Deutschen seien schuld an der Misere in Frankreich. Zum anderen komme man in Europa nur mit Dialog weiter.

Das trifft den Nagel auf den Kopf. Deutschland taugt nicht zum Feindbild. In einen Dialog muss die Linksregierung aber vor allem mit ihren eigenen Bürgern treten; erklären, dass das Land pleitegeht, wenn es sich nicht total von innen her reformiert. Dann wird auch Berlin helfen. (Thomas Mayer, DER STANDARD, 30.4.2013)