Wien - Die Rekordergebnisse von 2010 (und die fast so guten im Folgejahr) lassen sich nicht wiederholen: Die Vereinigten Bühnen Wien mussten 2012 in der Sparte Musical herbe Verluste hinnehmen. Die Zahl der Besucher fiel von 560.819 auf 463.412; das bedeutet gegenüber 2010 ein Rückgang von 18 Prozent. Die Karteneinnahmen der VBW, also inklusive der Oper im Theater an der Wien, sackten von 29,69 Millionen (2010) bzw. 28,53 Millionen (2011) auf 24,09 Millionen ab.

Generaldirektor Thomas Drozda bekannte am Montag ein Jahresdefizit von 4,3 Millionen Euro ein. Man hätte zwar um 2,6 Millionen besser abgeschnitten als prognostiziert; Freudenstimmung aber komme keine auf. Zumal die Situation nicht besser würde: Für 2013 erwarten die VBW einen Abgang von zumindest 6,4 Millionen Euro. Das Musical Natürlich blond schaffte seit der Premiere am 21. Februar eine Auslastung von nur 70 Prozent. Es liege "deutlich unter den Erwartungen". Trotzdem soll das Musical bis Jahresende weitergespielt werden.

Unter dem Druck, die Einnahmen steigern zu müssen, führt man das Musical siebenmal die Woche auf (bisher waren sechs Vorstellungen üblich). Die Nachfrage wurde zwar falsch eingeschätzt, Drozda möchte die "Ausweitung des Angebots" dennoch vom Subventionsgeber, der Stadt Wien, abgegolten wissen. Er meint, dass es ein strukturelles Defizit in der Höhe von 7,5 Millionen Euro gebe; Infora wurde beauftragt, bis Ende Juni den tatsächlichen Bedarf zu ermitteln.

Drozda sieht generell zwei Möglichkeiten: Entweder passt sich die Subvention an die Leistung an (das wäre ihm lieber), oder die Leistung an die Subvention.

Im Geschäftsbericht 2012 präsentieren sich die VBW im besten Licht (erfolgreichstes Jahr bei der Vermarktung der Musicals im Ausland) - und sie nehmen es mit den Zahlen nicht so genau. Bekanntlich mieten die Festwochen das Theater an der Wien jährlich 40 Tage um eine Million Euro. Die VBW hatten mit den im Vorjahr gezeigten Produktionen, La Traviata und Three Kingdoms, nichts zu tun, verbuchten aber die 6.138 Besucher in ihrer Statistik. Wolfgang Wais, Geschäftsführer der Festwochen, wundert sich über die "exotische" Zählmethode: "Die Verzweiflung bei den VBW muss groß sein, wenn sie unsere Besucher als ihre ausgeben."

Drozda kann die Kritik nachvollziehen und gesteht auch Verzweiflung ein. Dass er mit Kündigungen droht, wenn die Subvention nicht massiv erhöht wird, will er aber nicht bestätigen. (trenk, DER STANDARD, 30.4./1.5.2013)