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Große Nachfrage nach Mobiltelefonie in Burma: Erst zehn Prozent der Bürger sind im Netz.

Foto: Reuters

Was ein echter David ist, nimmt es mit Rivalen und Herausforderungen jeder Größe auf. Unter Beweis stellt das der irische Konzern Digicel, der in einem mit Mobilfunk und Internet noch am wenigsten durchdrungenen Länder mit aller Kraft seinen Fuß in die Tür stellt: Burma, der südostasiatische Staat, der sich auch in telekommunikativer Hinsicht in Demokratie versucht.

Expansionsprogramm

Die ersten zaghaften Schritte wurden 2009 gesetzt, als ein Militärregime das Land regierte. 2012 begann Digicel, das dem Iren Denis O'Brien gehört und vor allem in der Karibik und auf Pazifikinseln aktiv ist, sein volles Expansionsprogramm durchzuziehen: Personal zu suchen, Sportvereine zu unterstützen, über Aufstellplätze für tausende Mobilfunkmasten zu verhandeln, Vertriebspartner zu finden.

Die Strategie hat sich zumindest vorerst ausgezahlt. Digicel kam aus einem Feld von rund 90 Bewerbern um eine von zwei Mobilfunklizenzen für ausländische Provider auf die Shortlist mit elf anderen Unternehmen. Ausgestochen hat es dabei große Konkurrenten mit fast fünf Mal so viel Umsatz wie Südkoreas SK Telecom. Dank der Unterstützung der Fußballnationalmannschaft ist auch der Markenname recht bekannt. Bei einer Umfrage sagten viele, sie kannten das Unternehmen - sicher waren sie jedoch nicht immer, ob es sich dabei um einen Batteriehersteller oder einen Mobilfunker handelte.

Teure SIM-Karten

Die Regierung des Vielvölkerstaats hat es sich zum Ziel gesetzt, bis 2016 80 Prozent der Bevölkerung Zugang zum Mobilfunknetz zu ermöglichen. Derzeit beschränkt sich dies auf zehn Prozent der 60 Millionen Menschen.

Noch ist das Telefonieren im staatlichen Funknetz recht teuer. Die Restriktionen der Militärregierung, die Preise für Sim-Karten künstlich hoch zu halten, sind immer noch spürbar. 250 Dollar werden dafür in den Shops der Myanmar Post and Telecommunications verlangt - ohne Handy. Um die Mobilfunkverbreitung voranzubringen, von der sich das Land wirtschaftliche Impulse verspricht, verloste die Regierung kürzlich 350.000 Stück SIM-Karten für rund zwei Dollar. Weitere Lotterien sollen folgen.

Bieterkonsortium

Der Mobilfunkmarkt in Burma wartet darauf, beackert zu werden. Vodafone hat sich mit China Mobile zu einem Bieterkonsortium zusammengetan. Digicel rechnet sich gute Chancen aus. Die Iren haben sich zwei namhafte Unterstützer an Bord geholt: Die zum Reich von Financier George Soros gehörende Quantum Strategic Partners sowie Yoma Strategic Holding. Diese befindet sich im Besitz von Serge Pun, einem einflussreichen Geschäftsmann, der, untypisch für viele andere Industriemagnate in Burma, nicht von westlichen Sanktionen betroffen war. (kat, Reuters, DER STANDARD, 30.4.2013)