Kurz vor halb Fünf im Partyraum. Petra*, eine Schülerin aus der Nachbarschaft feiert heute ihren Geburtstag - sie wird 12. Ihre Mädchenclique von der Schule ist auch gekommen. Was sofort ins Auge sticht, sind die "Verkleidungen" der hier anwesenden Zehn- bis Zwölfjährigen: hautenge Minikleider, hohe Absätze, viel Schminke, Lippenstift und Nagellack, dazu ein kleines Handtäschchen. Es sind Frauen-Miniaturen. Kinder, die das Erwachsensein ausprobieren.

Unter den Mädchen äußert sich dieses Ausprobieren etwas drastischer und vor allen Dingen, sexualisierter als unter den gleichaltrigen Burschen. Als wir vor ein paar Monaten Fasching feierten, verkleideten sich zwei der elfjährigen Mädchen als Zimmermädchen/Playboy-Hasen mit weißer Schürze, schwarzen Strümpfen und weißen Hasenohren. In Amerika, dort wo der Trend herkommt, werden allein vier Milliarden Dollar jährlich mit Kosmetik für Acht- bis Zwölfjährige gemacht.

Woher die konkreten Vorbilder für dieses Benehmen kommen, kann man nur raten. Konsum von Reality-Fernsehen wäre eine Erklärung. Dort lernen die Mädchen, wie sie sich zu Verhalten haben, wem sie damit zu gefallen haben. Dass auch die Werbebranche und die Modeindustrie ihr Übriges tun ist hinreichend bekannt.

Dieses Schema pflanzt sich unbedacht und teils unterbewusst in die Köpfe vieler Mädchen hier ein. Die Anfälligkeit, auf solche Trends anzuspringen, scheint gerade unter den Kindern, die zu uns kommen größer zu sein als in anderen Milieus. Wahrscheinlich auch deshalb, weil ihnen ernstzunehmende Bezugspersonen fehlen, die derartige Trends entsprechend kommentieren oder ihnen Informationen über medial-verzerrte Rollenbilder zur Verfügung stellen. Der Weg zu einer solchen Bewusstseinsbildung ist lang: Denn, wenn die Kids hier zur Geltung kommen wollen, dann erstmals durch Äußerlichkeiten und Schönheit, oder dass was sie darunter verstehen. (red., 30.4.2013, daStandard.at)