Blick auf die Hauptpromenade von Havanna: Der Künstler Hubert Sattler bereiste bereits Mitte des 19. Jahrhunderts ferne Länder. Seine nach Reiseskizzen gefertigten Ölgemälde nannte er Kosmoramen.

Foto: Salzburger Museum Carolino Augusteum /R. Poschacher

Wien - Bleistift und Papier hat heute selten noch ein Tourist bei der Hand, möchte er die Skyline New Yorks oder die Pyramiden von Gizeh als optische Erinnerung mit nach Hause nehmen. Stattdessen wird das Smartphone gezückt, mit einem Klick ist das Foto gespeichert, man eilt zur nächsten Sehenswürdigkeit. Etwas geduldiger musste der Salzburger Reisemaler Hubert Sattler (1817-1904) im Jahr 1842 sein, als er zu seiner ersten Reise nach Konstantinopel, Syrien und ins Heilige Land aufbrach, um die fremde, exotische Welt für die Menschen daheim festzuhalten.

Er fertigte Skizzen von Moscheen, Tempeln, Städten und Landschaften an. Um möglichst viel des Gesehenen abzubilden, wählte er einen weiten Blickwinkel. Oft musste er deswegen einzelne Blätter aneinanderkleben, weil ein Blatt allein nicht ausreichte.

Nach Österreich zurückgekehrt, setzte er seine Eindrücke mit Ölfarbe auf Leinwand um - er schuf "Kosmoramen", großformatige Stadt- und Landschaftsansichten. Mitte des 19. Jahrhunderts verbanden die Menschen insbesondere mit dem Orient märchenhafte Vorstellungen, Informationen in Form von Bildern waren rar, Sattler lieferte sie ihnen.

Um diese Reiseerinnerungen zu betrachten, musste man sich nicht einmal in ein Museum bemühen, sondern konnte es sich bei den "optischen Zimmerreisen" in den eigenen vier Wänden bequem machen. Durch ein Loch in der Zwischenwand lugte man auf das geschickt beleuchtete Gemälde, das die Illusion einer unbekannten Welt en miniature vortäuschte. Unter dem Titel Professor Sattler's Cosmoramas stellte er sogar erfolgreich am Broadway aus.

Dieselbe Technik wandte schon sein Vater Johann Michael Sattler an, Schöpfer des berühmten Salzburg-Panoramas. Hubert trat in seine Fußstapfen und reiste bis 1870 regelmäßig nach Nord- und Südeuropa, in den Orient, nach Amerika und Mexiko. Aber auch Gebirgszüge der österreichischen Alpen und Orte wie Berchtesgaden, Salzburg oder Zell am See fanden Eingang in sein Repertoire. Besonderen Reiz übten Hafenansichten und Schiffe auf ihn aus - Menschen sind auf seinen Bildern nur Staffage.

Seinen Reisezielen entsprechend gliedert sich die Ausstellung Sattlers Kosmorama. Eine Weltreise von Bild zu Bild in der Hermesvilla in Bereiche wie Europa, den Orient oder Amerika. Vierzig Kosmoramen - rund 120 besitzt das Salzburg Museum als Leihgeber insgesamt - bebildern Sattlers Reise. Auch eine "Zimmerreise" ist nachgebildet: Ein Schlitz gibt den Blick auf Rom frei, das von Spots illuminierte Gemälde wirkt dreidimensional und lebendig.

Bemerkenswert ist der Detailreichtum, wie etwa auf seiner Ansicht von Mekka in Arabien, die er - wie oft - von einem Hügel aus skizzierte: Erst bei näherer Betrachtung sind die bunten Kleider der Muslime zu erkennen. Einer Fieselarbeit gleicht auch seine Darstellung der Pyramiden von Gizeh. Die Steinblöcke der Pyramide arbeitete er genau heraus - das Bild wirkt gestochen scharf und realistisch wie eine Fotografie. Authentische Wiedergabe war Sattlers oberstes Prinzip.

Ins Bild gesogen

Stadtansichten der spanischen Stadt Toledo, das wolkenkratzerlose New York oder der Blick auf die Hauptpromenade von Havanna bestechen durch Tiefenschärfe und Genauigkeit, als Betrachter glaubt man, in das Bild hineingesogen zu werden. Darüber hinaus legte der Maler viel Wert auf den begleitenden Text, den er mindestens so detailliert ausführte wie seine Landschaftsgemälde.

Leider fehlen in der Ausstellung diese topografischen Beschreibungen, zumindest einige Bilder hätte man damit ergänzen können. Auch die während der Expeditionen angefertigten Skizzen - rund 1000 davon sind noch erhalten - vermisst man in der Hermesvilla. Aus konservatorischen Gründen können sie nicht gezeigt werden, stattdessen sieht man einige Reproduktionen.

Sattlers Landschaftsbilder wirkungsvoll in Szene zu setzen gelang trotzdem. (Michael Ortner, DER STANDARD, 2.5.2013)