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Hoffnung vieler Bürger: Ali Akbar Hashemi-Rafsanjani.

Foto: EPA/Taherkenareh

Kommt er, oder kommt er nicht? Die Frage hatte seit Tagen die Medien im Iran beschäftigt. Bis zuletzt machte Ali Akbar Hashemi-Rafsanjani (79) es spannend. Erst kurz vor Ablauf der Anmeldefrist am Samstag um 18 Uhr erschien er mit großem Gefolge im Innenministerium in Teheran und erklärte kommentarlos seine Bereitschaft, noch einmal bei Präsidentschaftswahlen anzutreten.

Rafsanjani war zweimal Präsident und trat zuletzt vor acht Jahren beim Ende der Präsidentschaft von Mohammed Khatami gegen den späteren Sieger Mahmud Ahmadi-Nejad an. Einen Mann für alle Jahreszeiten nennt man ihn im Iran. Kaum jemand hat die politische Landschaft stärker geprägt. Obwohl er in den letzten Jahren viele seiner wichtigsten Funktionen, unter anderem den Vorsitz des Expertenrats, verloren hat, ist er ein politisches Schwergewicht geblieben. Seine Stellungnahmen bei der Wiederwahl Ahmadi-Nejads vor vier Jahren und seine offene Sympathie für die "grüne" Reformbewegung machten die Differenzen zwischen ihm und dem religiösen Führer Ali Khamenei noch deutlicher.

Endgültige Liste in zwei Wochen

686 Kandidatinnen und Kandidaten haben sich für die Präsidentenwahl am 14. Juni registriert. Erst in zwei Wochen wird die endgültige Liste der zugelassenen Bewerber vom Wächterrat veröffentlicht. Esfandiar Rahim-Mashaei, der Favorit Ahmadi-Nejads, ist dem religiös-konservativen Lager ein Dorn im Auge. Ob er die Hürde des Wächterrats überspringen kann, gilt als zweifelhaft. Ex-Außenminister Ali Akbar Velayati, Teherans Oberbürgermeister Mohammed Bagher Ghalibaf und Ex-Parlamentspräsident Gholam-Ali Haddad-Adel haben eine Dreierkoalition gebildet. Vermutlich zu ihrem Nachteil ließ sich in letzter Minute auch Saeed Jalili, Chefunterhändler bei den internationalen Atomgesprächen und ein Favorit des religiösen Führers Khamenei, registrieren.

Mehrere Reformer, unter ihnen Mohammed Aref, Kabinettschef des damaligen Präsidenten Khatami, und auch der frühere Atom-Chefunterhändler Hassan Rouhani, haben sich ebenfalls beworben. Sie werden ihre Kandidatur aber, wie Medien vermuten, zugunsten Rafsanjanis zurückziehen. Über Rafsanjani selbst spekulieren Kommentatoren, dass er seine endgültige Kandidatur von der Zustimmung der religiösen Führer abhängig machen werde.

Die enormen wirtschaftlichen und politischen Probleme des Iran - zu großen Teilen wohl eine Hinterlassenschaft Ahmadi-Nejads - rufen nach einem neuen Anfang. Rafsanjani könnte viele enttäuschte Bürger an die Wahlurnen zurückbringen. Ob er aber die Wahl gegen einen Bewerber der Dreierkoalition oder sogar gegen den Neuankömmling Saeed Jalili gewinnen kann, ist eine Frage, die bis zum Schluss offen bleiben muss. (N. N., DER STANDARD, 13.5.2013)