Bild nicht mehr verfügbar.

Der Wirbel um Ali Akbar Hashemi-Rafsanjani reißt nicht ab.

Foto: EPA/ABEDIN TAHERKENAREH

Teheran/Wien - Im Iran reißt die Empörung über den Ausschluss von Ex-Präsident Ali Akbar Hashemi-Rafsanjani bei den kommenden Präsidentschaftswahlen am 14. Juni durch den Wächterrat auch eine Woche nach der Entscheidung nicht ab.

Mehrere oppositionelle Medien berichten von einer großen Unzufriedenheit der mächtigen Geistlichkeit in der heiligen Stadt Ghom. Der Enkel des Revolutionsvaters Ruhollah Khomeini, Hassan Khomeini, soll demnach persönlich vor und nach der Entscheidung des Wächterrats, Rafsanjani zu disqualifizieren, zu Irans Obersten Führer Ayatollah Khamenei gegangen sein und ihn ersucht haben, Rafsanjani, der mit den Reformern sympathisiert, zuzulassen.

Khamenei soll von ihm demnach über die "weitreichenden Folgen eines Ausschlusses" für das Land aufmerksam gemacht worden sein. Laut den Medienberichten habe der Oberste Führer jedoch gemeint, dass er sich in die Arbeit des Wächterrates nicht einmische.

Mit Hassan Khomeini hält nun schon das zweite wichtige Mitglied der Khomeini-Clans öffentlich zu Rafsanjani. In der vergangenen Woche hatte bereits Zahra Mostafavi, die Tochter des Revolutionsvaters, deutlich die Disqualifizierung Rafsanjanis in einem Brief an Khamenei kritisiert und vor "diktatorischen Tendenzen" gewarnt.

Zerreißprobe für den Wächterrat

Wie die APA aus informierten Kreisen erfuhr, wurde Rafsanjanis Disqualifikation zu einer beispiellosen Zerreißprobe für den Wächterrat selbst. Zunächst hätten sieben der derzeit elf Mitglieder des Wächterrats Rafsanjani laut Insidern approbiert.

Dann jedoch seien Geheimdienstminister Heydar Moslehi und der Chef der Revolutionsgarden, General Mohammad Ali Jafari zu dem Gremium gestoßen und hätten erklärt, dass Rafsanjani bei einer Approbierung wahrscheinlich die Mehrheit der Wähler hinter sich hätte und Khamenei Rafsanjani nicht als nächsten Präsidenten sehen möchte. Daraufhin sei der mit Rafsanjani befreundete Ayatollah Shahroudi aus Protest gegen die unliebsame Aktion aus der Sitzung gegangen.

Bei einer neuerlichen Abstimmung ohne Shahroudi soll es dann eine Mehrheit von sechs zu vier Stimmen gegen Rafsanjani gegeben haben.

Dass die "Affäre Rafsanjani" noch nicht gegessen ist, bestätigte auch der einflussreiche iranischen Abgeordnete Ali Motahari. Er meinte, dass der Wächterrat einen "historischen Fehler" begangen habe und nun die Konsequenzen tragen müsse. Im Iran wird mit Spannung erwartet, wie sich Khamenei erstmals öffentlich zu der Sache äußern wird. (APA, 28.5.2013)