Wien ist nicht mehr anders. Korruptions-Tourismus gibt es nach Prag und Brüssel fortan auch in der Bundeshauptstadt. Der Streifzug zu Penthäusern, Jagdstammtischen und Stätten von Günstlingswirtschaft versteht sich als Lehrgang für Nachwuchstalente. derStandard.at durfte bereits bei einem Probegalopp erste Eindrücke gewinnen.

Das Institut für angewandte Korruption um Roland Spitzlinger und Julia Draxler sieht seine Aufgabe im Sammeln, Dokumentieren und Vermitteln von Korruption. Für alle in der Folge genannten Personen und Adressen gilt die Unschuldsvermutung.

Wie wird man schöner, reicher und intelligenter? Der Weg zum Erfolg führt mitten durch die Wiener Innenstadt. Seit heute bringt das Institut für angewandte Korruption (IfaK) jedem Interessierten bei, wie man in Österreich Millionen verdient. Anberaumt sind dafür die Samstage. Den zwielichtigen und dunklen Machenschaften angemessen - wenn die Sonne schon etwas tiefer steht - von 16 bis 18 Uhr.

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Der Crashkurs in Sachen Korruption orientiert sich laut Ifak an den erfolgreichsten Praxisbeispielen Österreichs. Wie bei allen erlauchten Zirkeln treffen sich vorab nur wenige geladene Gäste. Der erste Schritt: Ein Trocken-Training. Auf Handzeichen und unkontrolliertes Kopfschwenken des Reiseführers hin sollen sich die Lehrgangs-Studenten bei dem Streifzug unauffällig, also wie gemeine Touristen benehmen.

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Start ist vor der Wiener Staatsoper. Eine würdige Kulisse für illustre Gäste, Reiche und Schöne, um Geschäfte anzubahnen. Eine Kulturtechnik, die sich seit Jahren immer größerer Beliebtheit erfreut, so einer der Guides, Schauspieler Stephan Bartunek (im Bild).

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Wir tauchen tiefer ein. Unter den wachsamen Augen und den erstaunten Blicken vieler Passanten arbeiten wir uns vor. Immer die Frage vor Augen: Was war die Leistung?

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In der Schwarzenbergstraße werden wir erstmals fündig: Wir stehen vor der Pforte zu einer der teuersten PR-Agenturen des Landes.

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Stattliche 96.000 Euro soll Inhaberin Erika R. für eine simple Pressekonferenz verlangt haben. Übertrieben? Nein, lernen wir und begreifen schnell. Schließlich ging es irgendwann einmal um nichts Geringeres als die Bewerbung der Eurofighter.

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Schöpfung von Werten heißt auf Deutsch übersetzt eine weitere Agentur nur einige Gehminuten weiter. Wir gewinnen die Erkenntnis, wie selbstlos es ist, 130.330 Euro und 70.000 Euro in bar und in Koffer geschlichtet von der Schweiz nach Österreich zu transferieren. Vorausgesetzt, es handelt sich um einen guten Zweck. Das Wohl und Weh der Schwiegermutter zum Beispiel.

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Der dazugehörige Schwiegersohn Karl-Heinz G., ehemals schönster Finanzminister aller Zeiten, erntete dennoch Kritik. Doch das Leben muss irgendwie weitergehen. Am besten ganz normal. So steht seit geraumer Zeit ...

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... sein Penthouse (bescheiden links hinten im Bild) zum Verkauf. Voll möbliert und um elf Millionen Mietablöse ein Schnäppchen, erklärt uns Barbara Braun, Künstlerin und ebenfalls Führerin des Lehrgangs.

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Lernstoff in Hülle und Fülle bieten auch die Tetron- und Telekomaffären, der An- und Verkauf von Visa, Skandale um den Buwog-Verkauf, Jagdstammtische und vieles mehr. Gespickt mit süffisanten Spitzen und satirischen Kommentaren ...

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 ... endet die Tour vor dem Parlament. Im letzten Abdruck lernen wir noch: Parteiengründungen zahlen sich aus. Nirgendwo auf der Welt, außer in Japan, ist die Parteienförderung so hoch wie in Österreich. Da fehlen selbst der Göttin der Weisheit die Worte.

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Vielleicht ein Grund, dem Parlament den Rücken zu kehren. (Sigrid Schamall, derStandard.at, 7.6.2013)

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Die Touren finden bis Ende September jeden Samstag von 16 bis 18 Uhr statt. Tickets kosten 20 Euro (Ermäßigung: 15 Euro).

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Institut für angewandte Korruption (IfaK)

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