Die hohe Kunst des Blumenbindens findet beim Nissan 370Z Nismo ihre automobile Entsprechung in einem V6-Saugmotor und Hinterradantrieb

Es ist nicht ganz sicher, ob diese Sprache auch noch wirklich alle verstehen. Ein großer Saugmotor mit mehr Zylindern als unbedingt nötig vorn, ein gewöhnliches Sechsganggetriebe gleich dahinter, dann eine dicke Welle zur Hinterachse, die den Wagen antreibt. Das ist nicht nur eine Frage der Architektur, sondern ganz wesentlich eine Frage der Lebensphilosophie. Die hochdynamische Fortbewegung mithilfe des Verbrennungsmotors kann anders nicht eindringlicher dargestellt werden.

Foto: nissan

Inzwischen sind es vor allem die Japaner, die diese Kunst noch beherrschen, für ein Minderheitspublikum maximalen Fahrspaß anzubieten. Vielleicht gibt es dort eh schon einen eigenen Begriff für das Fahren mit klassischen Sportwagen, die nicht viel mehr können als einfach irrsinnig gut fahren und uns gleichzeitig aber nicht mit irgendwelchen Unzulänglichkeiten nerven, analog zur Kunst des adeligen Blumenbindens Ikebana.

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Wir denken da an Mazda, wo man mit den Wankel-RX die alte Kunst jahrzehntelang mit auf alle Ewigkeit futuristischer Motorentechnologie hochgehalten hat. Oder an Toyota und Subaru, wo man jüngst erst mit dem GT86 ein Bravourstück in Sachen Sportwagen für den Spaß hingelegt hat.

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Auch Nissan hat in dieser Hinsicht immer Potenzial gezeigt. Man erinnere sich nur an den legendären 240Z, als Nissan noch Datsun hieß. Schon damals, in den 1960er-Jahren, drangen die Japaner mit amerikanischer Phallussymbolik und aufkeimender europäischer Raffinesse in unsere Herzen ein. Die braven japanischen Autos wurden noch eher abfällig Reiskocher genannt, aber die Sportwagen machten uns schon feuchte Augen

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Mittlerweile ist die Nummerierung des flotten Daseins auf 370Z gestiegen. Und ähnlich haben sich auch die PS vermehrt. Und so sind wir mitten im Thema. Für alle, die sich beim Querfahren noch nicht oder nicht mehr so auskennen: Der normale 370Z hat einen V6-Motor mit 328 PS und Sechsganggetriebe und ist wahlweise auch als Roadster, also mit offenem Dach, zu haben.

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Es gibt aber auch noch eine Art großen Bruder, das ist der GT-R, der sich nicht nur leistungsmäßig (550 PS), sondern auch preislich (120.000 Euro) in der Oberliga der Supersportwagen matcht.

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Wer nun im 370Z das Bedürfnis nach dem berühmten "darf's ein bisserl mehr sein" verspürt und nicht zu einem windigen Chiptuner gehen will, hat die Möglichkeit, werksseitig um 16 PS mehr zu bekommen, also 342 PS, und noch einige nette Kleinigkeiten dazu.

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Das wertverdichtete Modell heißt 370Z Nismo und beschleunigt in 5,2 Sekunden, sofern man das Durchreißen des Schalthebels vom ersten in den zweiten Gang auch tatsächlich beherrscht und einem das Auto nicht leidtut dabei. Insgesamt lag den Ingenieuren daran, nicht nur das Schmalz zu erhöhen, sondern ganz allgemein die Tauglichkeit für die Rennstrecke. Wir wissen ja, dass herkömmliche Serienautos völlig untauglich für die Rennstrecke sind, da schon nach wenigen Runden die Bremsen verglühen, die Reifen erweichen und die Radlager schmelzen.

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Das ist natürlich bei so einem Sportwagen von vornherein besser, aber es kann nie gut genug sein. So hat man beim Nismo steifere Feder- und Dämpferraten vorgesehen, breitere, aber dennoch gewichtsreduzierte 19-Zoll-Aluräder appliziert und, damit sie auch Platz haben, die Radhäuser verbreitert.

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Das ist jetzt nicht ausgesprochen auffällig, aber man spürt's irgendwie doch beim Hinsehen in Form der noch gedrungeneren Gestalt. Dazu tragen natürlich vehement die neuen Schürzen vorn und hinten bei, die das Auftreten aggressiver machen. Neue Abgasrohre mit zwei runden Schalldämpferenden mit sehr männlichen 120 Millimetern Durchmesser sollen zeigen, dass hier mächtig die Post abgeht.

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Nismo-typisch auch die roten Zierstreifen an Front, Heck und Außenspiegeln. Davon erwartet man sich die wirkungsvolle Darstellung des dynamischen Potenzials nach außen. Rote Applikationen setzen sich auch im Innenraum fort. Und damit einem vor lauter Aufregung nicht das Lenkrad entglitscht, ist dieses mit Alcantara überzogen, einem der bekannt saugfähigsten Materialien überhaupt.

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In dieser hitzigen Präsentation hätten wir fast vergessen zu erklären, was Nismo heißt: Das Kürzel steht für Nissan Motorsport, und so wie AMG bei Mercedes, M bei BMW und quattro GmbH (S-/RS-Modelle) bei Audi betreibt auch Nissan seit einiger Zeit ein quasi eigenes Unternehmen für sportlich verschärftes Auftrittswesen. Das kompakte Kraftbündel Juke Nismo kennen wir ja schon, jetzt ist in konsequenter Logik der 370Z dran.

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Weiter mit den Details: Was nicht serienmäßig ist, lässt sich schwer aufzählen, weil der Preis von 64.900 Euro sogar den Metallic-Lack enthält. Außerdem - ohne Anspruch auf Vollständigkeit: Festplattennavigationsgerät, High-End-Soundanlage, allerlei Kommunikationsverschärfer auf Bluetooth-Basis, selbstverständlich Klimaautomatik, Tempomat und Bi-Xenon-Scheinwerfer. (Rudolf Skarics, DER STANDARD, 21.6.2013)

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Hinweis im Sinne der redaktionellen Leitlinien: Die Teilnahme an internationalen Fahrzeug- und Technikpräsentationen erfolgt großteils auf Basis von Einladungen seitens der Automobilimporteure oder Hersteller. Diese stellen auch die hier zur Besprechung kommenden Testfahrzeuge zur Verfügung.

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