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Unterrichtsministerin Claudia Schmied warb gemeinsam mit dem Kanzler für die "echte" Ganztagsschule.

Foto: apa/Neubauer

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Bundeskanzler Werner Faymann hilft der Wuzler bei Ärger, wie er sagt.

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Wien - Vielleicht wäre ein Wuzeltisch im Unterrichtsministerium ja als partielles Ausweichfeld für die Lehrerdienstrechtsverhandlungen hilfreich. Laut Bundeskanzler Werner Faymann hilft der nämlich "bei Ärger", sagte er Mittwochfrüh zu Unterrichtsministerin Claudia Schmied. Da versenkten gerade ein paar Schüler im "bunten Zimmer" der Ganztagsvolksschule in der Zieglergasse den schnellen Ball im Tor.

Die zwei SPÖ-Politiker hatten die Schule in Wien-Neubau auserkoren für einen Besuch, um dort, umringt von strahlenden Kindern und begeisterten Lehrerinnen, Überzeugungsarbeit für die "echte" Ganztagsschule zu leisten. "Echt" heißt: Unterricht, Freizeit, Jause, Mittagspause und Lernstunde sind verschränkt über den ganzen Tag, erklärte Direktorin Beatrix Handschmann das Prinzip, nach dem in ihrer Schule die Zeit zwischen 8 Uhr und 15.30 Uhr organisiert ist: "Die Lernstunde ist übrigens die einzige zusätzliche Arbeitsstunde im Vergleich zur Halbtagsschule." Mit dem Vorteil, "dass die Aufgaben schon gemacht sind, wenn man nach Hause kommt und man keine teure Nachhilfe zahlen muss", sekundierte der Kanzler.

Er, dessen Tochter auch Ganztagsschülerin war, outete sich als "Freund des verschränkten Unterrichts" und will diese Schulform "stärker propagieren und ausbauen - als Angebot und nicht als Zwang", betonte Faymann. "Es ist ja kein Zufall, dass die teuren Privatschulen dieses Modell haben." Diese Qualität müsse auch das öffentliche Schulsystem anbieten. Da seien derzeit jedoch nur fünf Prozent echte Ganztagsschulen. Wenig Wunder, so Faymann, dass es "in der Bevölkerung viele Vorurteile dagegen gibt". Viele Eltern befürchteten zu Unrecht, dass ihre Kinder überfordert würden oder keine Zeit mehr für private Freizeitunternehmungen bleibe.

Ein Ziel für das neue Lehrerdienstrecht - "Mehr Stunden an der Schule, das ist notwendig" (Faymann) - schreckt in der Zieglergasse nicht: "Wir haben überhaupt kein Problem, mehr Stunden zu machen", sagte die Direktorin: "Wenn es entgolten wird." (Lisa Nimmervoll, DER STANDARD, 27.6.2013)