Carl Millöcker steht derzeit hoch im Kurs; das Lehár-Festival Bad Ischl hat jetzt Gasparone herausgebracht, eine raubeinige Täuschungs- und Liebeskomödie aus dem Banditenmilieu Siziliens anno 1820 in der Version von Dolores Schmidinger. Leider wurde die Handlung ins Jahr 1930 verlegt und das Libretto heftig umgeschrieben. Allzu viele Witze ergab das, bei denen man an Solo-Kabarett-Programme dachte.

Und warum 1930? Ein Grund ist triftig: Die Kostüme jener Zeit sind reizvoller. Der andere Grund: Vermutlich dachte die Regisseurin an die TV-Serie Chicago 1930 und meinte, man könne die Briganten zu Mafiosi machen. Freilich: In Sizilien regierte 1930 Mussolini, und der hatte mit der Mafia aufgeräumt.

Immerhin ist die musikalische Seite achtbar geraten: Vor allem Roman Martin als Sindulfo, Thomas Malik als Wirt und Melanie Schneider als Wirtin stechen hervor. Auch Dirigent Marius Burkert und Bühnenbildnerin Katharina Sautner leisten tolle Arbeit. Und zur Ehrenrettung Schmidingers: Ihr erster Ausflug ins Operettenregiefach, der Bettelstudent einst ebenfalls in Bad Ischl, war witziger als das, was man momentan in Mörbisch zu sehen bekommt! (hast, DER STANDARD, 23.7.2013)