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Bei COPD sind die Atemwege der Patienten verengt - das Krankheitsbilder ist dadurch gekennzeichnet, dass der Luftstrom hauptsächlich beim Ausatmen behindert ist.

Foto: apa/dpa/stephanie pilick

Die Lungenabteilung im Krankenhaus der Elisabethinen in Linz wendet als erste und einzige in Oberösterreich ein neues endoskopisches Verfahren zur Lungenvolumenreduktion an. Dem Patienten mit einem heterogenen Lungenemphysem, sprich einer Lungenüberblähung, werden Ventile in Bronchiensegmenten eingesetzt. Funktionslose Lungenteile werden nicht mehr belüftet und verkleinern sich, die gesunde Lunge kann sich wieder ausdehnen, die Atemnot verringert sich.

Zerstörte Lungenbläschen

Das Lungenemphysem ist eine Form der chronisch-obstruktiven Bronchitis (COPD) und zählt heute zu den häufigsten Lungenerkrankungen. In Österreich gibt es mehr als 400.000 COPD-Kranke, aber nur die Hälfte weiß über die Erkrankung bescheid. Rund 80 Prozent der COPD-Kranken sind Raucher. Im Frühstadium ist die Erkrankung behandelbar, auch wenn die Atemstrombehinderung nicht gänzlich reversibel ist.

"Der Entzündungsprozess in der Lunge verengt die Bronchien und in der Folge werden die Lungenbläschen zunehmend zerstört. Die Zwischenwände zwischen den Bläschen lösen sich auf und es entstehen Blasen, sogenannter Totraum in der Lunge, der keine Funktion mehr erfüllen kann", sagt Primar Josef Bolitschek. Atemnot zuerst bei Belastung und dann auch in Ruhe sind die Folge. Vor allem die Ausatmung ist bei COPD-Patienten eine unvollständige.

Viele COPD-Kranke entwickeln ein Emphysem, eine Überblähung der Lunge durch die Überdehnung. Neben dem Rauchen können auch eine berufliche Exposition wie etwa kontinuierliche erhöhte Feinstaubbelastung oder der Einfluss chemischer Substanzen Ursachen sein. Rauchstopp und Medikamente, die die Entzündung hemmen und die Bronchien erweitern sind die Therapiemaßnahmen. Vernarbungen und Gewebsuntergang kann aber nicht mehr rückgängig gemacht werden.

Innovatives Verfahren

"Bisher gab es bei schwerem Emphysem nur die Möglichkeit einen Lungenlappen chirurgisch zu entfernen. So ein komplizierter und komplikationsreicher Eingriff wird heute nur mehr in Ausnahmefällen durchgeführt, weil er meist keine andauernde Verbesserung bringt",  sagt Bolitschek.

Die Lungenabteilung der Elisabethinen ist die zweite in Österreich, die ausgesuchten Patienten mit schwerem heterogenem Lungenemphysem in den oberen Lappen den relativ kleinen, aber teuren Eingriff mit Ventilen anbietet. Für den Eingriff in Frage kommen Patienten mit einem schweren heterogenen Emphysem in einem oberen Lungenlappen, bei denen die medikamentöse Therapie keine Verbesserung mehr bringt und deren Emphysem stetig zunimmt. Bei höhergradiger Verschleimung sei der Eingriff allerdings nicht möglich, so Bolitschek.

Ein starres Bronchoskop wird in Kurznarkose eingeführt. Durch eine installierte Kamera wird das Bild der Bronchien auf einen Schirm übertragen. So sieht der Arzt welche Abzweigungen und Bronchiensegmente er durch Ventile verschließen muss. Meist sind drei Ventile nötig. Bevor die Ventile eingebracht werden, muss eine Luftstrommessung durchgeführt werden. "Es darf über eine Öffnung keine Luft von einem Lappen zum anderen strömen, ansonsten bringt das Ventil keinen Erfolg", sagt Bolitschek.

Keine Heilung, aber deutliche Besserung

Spricht das Ergebnis der Messung für Ventile, werden die Bronchiensegmente mit einem Einwegventil, einem kleinen Metallschirmchen, das sich am Bronchieneingang entfaltet eingebracht. Die Ventile verspreizen sich selbst an den Bronchienwänden und müssen nicht zusätzlich fixiert werden. Luft kann nun zwar aus dem Lappen heraus- aber nicht mehr hineinströmen.

Der Lungenlappen entleert sich innerhalb einiger Minuten und das Segment verliert an Volumen, gleichzeitig bekommt die übrige Lunge wieder mehr Raum sich auszudehnen und der Patient mehr Luft. Der Eingriff dauert 30 bis 45 Minuten. Selten kommt es nach dem Eingriff als Komplikation zu einer Lungenentzündung oder einem Pneumothorax.

Noch am selben Tag fühlt sich der Patient leistungsfähiger und die Atemnot ist verringert.  Die Lungenfunktion verbessert sich signifikant um bis zu 20 Prozent, Lebensqualität und Leistungsfähigkeit steigen. Geheilt ist der Patient durch die Lungenvolumenreduktion von seiner COPD allerdings nicht. Langzeitstudien zu den Ventilen gibt es noch keine, sie können bei Komplikationen aber jederzeit wieder entfernt werden. Bisher wurden 12 Patienten solche Ventile eingesetzt, geplant sind etwa 20 pro Jahr. (red, derStandard.at, 1.8.2013)