Eine in dieser Woche präsentierte Studie zu den heimischen Mietpreisen ließ die Wogen ordentlich hochgehen. Das Wifo hatte ermittelt, dass die Schere zwischen den Mieten in privaten Gebäuden und jenen in Gemeinde- und Genossenschaftsbauten in den vergangenen sieben Jahren relativ weit aufgegangen ist.

In der Folge führte die Studie zum altbekannten Schlagabtausch zwischen Arbeiterkammer und Immobilienwirtschaft (hier dokumentiert). Der Geschäftsführer des Österreichischen Verbands der Immobilienwirtschaft (ÖVI), Anton Holzapfel, kritisierte dabei unter anderem, dass bei diesen Wohnkostenvergleichen stets eines nicht berücksichtigt werde: der Baukostenzuschuss (auch Eigenmittelanteil genannt), der beim Einzug in eine Genossenschaftswohnungen meist zu entrichten ist. "Wenn man diesen Betrag auf die monatliche Wohnbeitragszahlung umlegt, erhöht das die nur scheinbar günstigen Genossenschaftsmieten deutlich", so Holzapfel.

Karl Wurm, Obmann des Verbands gemeinnütziger Bauvereinigungen (gbv), will das freilich nicht auf sich sitzen lassen. "Entgegen der Behauptung des ÖVI ändert sich dieser Kostenvorteil auch dann nur unwesentlich, wenn man den Finanzierungsbeitrag hinzu rechnet und ihn auf eine monatliche Mietvorschreibung umlegt", schreibt er in einer Aussendung. Bei den Bestandsmieten würden im Schnitt zehn Cent pro Quadratmeter und Monat dazukommen, bei Neu- und Wiedervermietungen seien es durchschnittlich 20 Cent.

"Einmalbetrag reduziert Mieten"

Beim Erstbezug einer neu errichteten geförderten Wohnung muss heutzutage mit Eigenmitteln von einigen tausend bis hin zu 40.000 Euro, in Ausnahmefällen sogar mehr, gerechnet werden. Diese Eigenmittel bekommt man beim Auszug zwar wieder zurück, allerdings vermindert um eine Abschreibung von einem Prozent pro Jahr. Betragen die Eigenmittel für eine 70 m² große Wohnung also beispielsweise 10.500 Euro (150 Euro mal 70 m²), bekommt man 9.450 Euro (135x70) zurück, wenn man nach zehn Jahren wieder auszieht.

Somit fallen jährlich 1,50 Euro pro Quadratmeter an Eigenmitteln an. Umgelegt auf die monatliche Miete kommt man dann auf Kosten von 12,5 Cent je Quadratmeter für die Eigenmittel.

Von Kritikern der Gemeinnützigen wird regelmäßig ins Treffen geführt, dass es für Menschen, die nicht zu den Gutverdienern gehören, oft schier unmöglich ist, solche fünfstelligen Summen aufzubringen, um eine geförderte Wohnung zu bekommen - was natürlich in vielen Fällen zutreffen mag. Wurm hält dem aber entgegen, dass die Einhebung des Finanzierungsbeitrags die Mietkostenbelastung für die Mieter letztlich sogar reduziere: "Ohne Einmalbetrag der Mieter müsste zur Finanzierung der Errichtungskosten ein Kapitalmarktdarlehen aufgenommen werden, was wiederum die Miete um rund 80 Cent je Quadratmeter verteuern würde."

Auch Maklerkosten müssten eingerechnet werden

Ohne die Einberechnung der Eigenmittelanteile liegen die Bestandsmieten gemeinnütziger Bauvereinigungen aktuell bei 5,80 Euro je Quadratmeter und Monat, erklärt Wurm. Damit bewege man sich im Schnitt um 17 Prozent unter dem privaten Sektor. Bei den Neu- bzw. Wiedervermietungen sei man mit 6,30 Euro sogar um 25 Prozent unter den Privaten.

Rechnet man die Eigenmittelanteile mit ein, erhöhen sich die Mieten bei den Genossenschaften natürlich entsprechend. Allerdings: Um eine völlige Vergleichbarkeit der jeweiligen Wohnkostenbelastung herzustellen, müsste man bei privaten Mietverträgen wohl auch die Maklerkosten auf die monatliche Miete umlegen. Diese fallen nämlich wiederum bei Genossenschaftswohnungen (in den allermeisten Fällen) nicht an. (mapu, derStandard.at, 2.8.2013)