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Andreas Vojta ist über 1500 Meter in Österreich seit vier Jahren eine Klasse für sich. "Ich muss mir meine Gegner im Ausland suchen", sagt er. Eine Hoffnung gilt dem sogenannten Leichtathletikzentrum, das in Wien errichtet wird. Vojta wäre "eh schon zufrieden, wenn ich einen ständigen Trainingsort hätte".

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Standard: Was ist Ihnen bei der WM zuzutrauen?

Vojta: Dass ich meinen Vorlauf überstehe und ins Halbfinale komme, ist das realistische Ziel. Als ehrgeiziger Sportler will ich natürlich ins Finale, aber eines nach dem anderen. An guten Tagen kann ich auch wirklich gute Leute schlagen.

Standard: Zuletzt sind Sie bei der EM im Finale und bei der Hallen-EM im Vorlauf zu Sturz gekommen, war das einfach nur Pech?

Vojta: Bei der EM geb ich mir eine gewisse Mitschuld. Da war ich Vorlaufschnellster und hatte im Finale eine gute Medaillenchance. 200 Meter vor dem Ziel hat's mich aufgeprackt, auch deshalb, weil ich nicht in der idealen Position war. Wenn du vorne bist, kann nichts passieren. Bei der Hallen-EM ist mir nach fünfzig Metern schon einer hinten draufgestiegen, das war einfach nur unglücklich. Von einer Sturzserie kann aber nicht die Rede sein.

Standard: Sie sind 2010 erstmals international aufgetaucht, mittlerweile 24 Jahre alt. Wo sehen Sie sich im Vergleich mit Ihren Gegnern, wo wollen Sie hin?

Vojta: Ich bin kein Jungspund und kein Rohdiamant mehr. Ich hab schon ein bisschen Erfahrung, ich bin weder jung noch alt. Die nächsten Jahre sollten meine besten sein, bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio hab ich das optimale Alter. Da hab ich dann schon etliche Trainingsjahre in den Beinen, aber die Schnelligkeit ist auch noch da. Da muss ich noch nicht daran denken, auf Marathon umzusteigen.

Standard: Auf nationaler Ebene sind Sie seit 2009 ungeschlagen. Fehlt Ihnen da nicht einer, mit dem Sie sich matchen könnten?

Vojta: Das wäre natürlich fein, aber das spielt es nicht. Bei Meisterschaften laufe ich seit drei Jahren einen Trainingslauf und werde am Ende schneller, das reicht. Ich muss mir meine Gegner im Ausland suchen.

Standard: Sie sind die eine Hälfte des WM-Aufgebots, die andere Hälfte heißt Gerhard Mayer, wirft Diskus. Welches Zeugnis stellt die, nun ja, Größe des Teams, der österreichischen Leichtathletik aus?

Vojta: Dass nur zwei hinfahren, ist schon traurig. Es gibt Länder wie San Marino, denen der Weltverband zwei Startplätze gibt, obwohl dort niemand ein Limit erbracht hat - nur damit auch diese Länder dabei sind. Wir sind also gleich groß wie San Marino. Und dann gibt es Länder, die circa gleich groß sind wie Österreich und viel größere Teams haben, zum Beispiel Ungarn. Da fragt man sich schon, warum.

Standard: Warum?

Vojta: Im österreichischen Sport passt halt vieles nicht. Kürzlich hatten wir Meisterschaften. Da und dort finden sich gute junge Leute. Aber in vielen Disziplinen gibt es überhaupt keine Dichte. Und wenn einer keinen Gegner hat, geht halt leider oft nichts weiter. Vor allem sind oft auch die Trainingsbedingungen nicht gut.

Standard: In Wien kündigte der Bürgermeister die Errichtung eines Leichtathletikzentrums an. Was erhoffen Sie sich davon?

Vojta: Da geht es um die Renovierung des Cricket-Platzes im Prater. Es tut sich etwas, die alte Laufbahn ist schon weg, ich hoffe, bis Herbst ist alles fertig. Aber wenn es nur sechs und nicht acht Bahnen zum Laufen gibt und dort keine Meisterschaften stattfinden können, ist es schon die Frage, ob man das ein Leichtathletikzentrum nennen und ob sich eine Zwei-Millionen-Stadt damit rühmen kann. Ich wäre andererseits eh schon zufrieden, wenn ich einen ständigen Trainingsort hätte, an dem ich quasi rund um die Uhr laufen kann - also nicht nur am Vormittag, sondern vielleicht auch am Abend. Und an den Wochenenden.

Standard: Derzeit haben Sie keinen ständigen Trainingsort?

Vojta: Derzeit müssen wir im Happel-Stadion trainieren - auf einer Bahn, die für Meisterschaften ungeeignet ist. An manchen Stellen ist der Tartan zwei- bis dreimal so dick wie an anderen, und es sind Bodenwellen drinnen. Wenn ein Trainer neben seinem Läufer mit dem Rad mitfahren will, wird er weggestampert. Und ein paar Tage später findet ein Konzert statt, und es steht eine tonnenschwere Bühne dort. An Wochenenden kann ich im Happel-Stadion nicht trainieren, weil keiner da ist, der mir aufsperrt. Da bekommt man schon das Gefühl, man ist als Sportler ungewollt.

Standard: Wie helfen Sie sich?

Vojta: Ich schau, dass ich irgendwo eine Bahn finde, am ehesten in Stadlau. Einiges kann man umgehen, aber optimal ist es nie. Spitzensportler in anderen Ländern können anders trainieren. (Fritz Neumann, DER STANDARD, 03./04. August 2013)