Wien - Bis zuletzt sammelten einige Kleinparteien Unterstützungserklärungen, doch am Freitag um Punkt 17 Uhr war Deadline für das Einreichen bei der Wahlbehörde im Innenministerium - und seitdem steht fest: Bei der Nationalratswahl am 29. September treten bundesweit neun Parteien an. Neben denen, die ohnehin schon im Parlament vertreten sind, also SPÖ, ÖVP, FPÖ, BZÖ, den Grünen und dem Team Stronach, die für das Antreten bloß die Unterstützung von drei Abgeordneten brauchten, schafften es nur die neuen Neos, die altbekannte KPÖ sowie die jungen Piraten, die notwendige Anzahl an notariell beglaubigten Unterschriften von Wahlberechtigten zusammenzutragen. In diversen Bundesländern überwanden diese Hürde fünf weitere Zwergparteien - und zwar der Wandel, die Sozialistische Linkspartei, die Männerpartei, die Christliche Partei und die EU-Austrittspartei (Details siehe unten).

Doch unter den Neulingen sieht der Politikwissenschafter Peter Filzmaier nur für die Neos "eine sehr kleine Außenseiterchance", im Herbst tatsächlich in den Nationalrat einzuziehen, denn: Der Zusammenschluss mit dem Liberalen Forum und insbesondere die hohen Zuwendungen des Industriellen Hans Peter Haselsteiner helfen dabei. Die Vier-Prozent-Hürde hält Filzmaier für "relativ hoch. Natürlich kann man fragen, ob das noch zeitgemäß ist. Aber das hilft den Kleinen jetzt auch nichts."

Auf dem Wahlzettel

  • Neos Parteichef Matthias Strolz ist ehemaliger ÖVP-Klub-Mitarbeiter und Politikberater. Im März schloss er sich mit dem Liberalen Forum zu einer Plattform zusammen – mit fünf "Kernwerten": freiheitsliebend, eigenverantwortlich, wertschätzend, authentisch, nachhaltig. 
  • Die Piraten Die Truppe rund um den Listenersten Mario Wieser, gelernter Techniker, Netzname "Romario", kämpft am Wahlsonntag landesweit um Stimmen und gegen die Vorratsdatenspeicherung sowie die Befugnisse internationaler Geheimdienste. 
  • Die KPÖ Die Kommunisten haben es immer noch geschafft: Sie sind bei allen Nationalratswahlen der Zweiten Republik angetreten – so auch jetzt. 1959 aus dem Parlament geflogen, sind die Ziele von Mirko Messner und seiner Partei gleich geblieben: Kampf gegen Sozialabbau und die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich. 
  • Der Wandel Mit der Grünen-Ikone Freda Meissner-Blau konnte eine prominente Unterstützerin gefunden werden. Angetreten wird in Wien und Oberösterreich. Der "Wandel" positioniert sich als Partei für unzufriedene Grün-, aber auch Rot-Wähler. Spitzenkandidat Fayad Mulla will "das Recht auf ein gutes Leben für alle". 
  • Die Sozialistische Linkspartei Die Liste mit Parteichefin Sonja Grusch tritt nur in Wien an – wie auch schon 2002 und 2006. Dabei ist die Partei jeweils unter 0,1 Prozent geblieben. Da half 2008 auch kein Wahlbündnis, die "Linke" schaffte nur 0,04 Prozent. Gegründet wurde die Partei "im Widerstand gegen Sozialabbau und Rassismus". 
  • Die Männerpartei Die Liste von Hannes Hausbichler, Ingenieur und Vater zweier Söhne, wird nur auf den Wahlzetteln Vorarlbergs stehen. Oberstes Anliegen der Partei: die Gleichberechtigung der Männer samt Reform des Familienrechts – um vor allem die "Unterhaltsausbeutung" nach Scheidungen abzustellen. 
  • Die Christen Gegen Abtreibung und Homo-Ehe wollen sie die "herkömmliche Familie" gestärkt wissen. Bei der Wahl tritt die Christliche Partei mit Parteichef Rudolf Gehring im Burgenland, in Niederösterreich, Oberösterreich, Salzburg, der Steiermark sowie in Vorarlberg an.
  • EU-Austrittspartei Im Ländle treten auch EU-Gegner an. Auch am Programm: Zuwanderungsstopp und Grenzkontrollen. (Peter Mayr, Nina Weißensteiner, DER STANDARD, 3.8.2013)