Bis die Seestadt Aspern im Nordosten von Wien komplett besiedelt sein wird, werden wohl noch Jahre vergehen. Ende nächsten Jahres werden gerade einmal die ersten 1.600 von insgesamt über 8.000 Wohnungen bezugsfertig sein. Ob die Infrastruktur, die die Planer sehr akademisch am Reißbrett entwickelt haben, von den Menschen auch angenommen wird, wird sich erst herausstellen. Die Erfahrung zeigt, dass Projekte dieser Größenordnung ganz selten von Beginn an funktionieren.

So wird man beobachten müssen, ob die Infrastruktur samt den Einkaufszentren auch von den Menschen angenommen wird oder ob es nicht besser wäre, Freiräume zu schaffen und peu à peu jene Geschäfte zu errichten, die nachgefragt werden. Urbanität in dieser Größenordnung von in Summe 240 Hektar ist ja nicht planbar, sondern muss wachsen. Schöne Städte sind alle gewachsen und nicht am Reißbrett geplant worden.

In Holland wurde vor Jahren zwischen Amsterdam und Schiphol ein ähnlich großes Projekt nach der Errichtung wieder komplett umgeplant. Ursprünglich wurde zu dicht verbaut. Und dann ging eines ins andere: Zu viele Sozialfälle kamen, der Leerstand wuchs, und die Wohngegend bekam einen schlechten Ruf. Der U-Bahn-Anschluss in Aspern allein ist also zu wenig, damit die Seestadt ein Erfolg wird. Es muss ein Wohnklima gefunden werden, wo sich die Menschen wohlfühlen. Ansätze dazu sind vorhanden. (Claudia Ruff, DER STANDARD, 3.8.2013)