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Nur einen Fingerzeig entfernt sind Lichtschalter, Videotelefon oder eine Nachricht an den Arzt - wenn man sich auf smarte Technologien einlässt.

Foto: AP/Osservatore Romano

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"Surfen tu ich auch": Frau Lora schätzt die digitalen Helferlein.

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Am Anfang habe sie schon Hemmungen gehabt, sich mit dem Computer auseinanderzusetzen, sagt Waltraud Lora. "Ich wollte alles hinterfragen und wissen, wie das funktioniert." Mittlerweile ist es für die 1942 geborene Kärntnerin selbstverständlich, E-Mails zu schreiben. "Und ein bisschen surfen tu ich auch", fügt sie hinzu.

Seit zwei Jahren steht in ihrer Wohnung in Klagenfurt neben dem Laptop ein elektronischer Bilderrahmen. Darauf zu sehen ist eine romantisch anmutende Szenerie: ein Wohnzimmer mit Terrasse über dem Meer, ein Sonnenuntergang, drei junge Leute. Das Bild ist ein Touchscreen, und darauf drapierte Symbole wie eine Zeitung, Briefpapier und die Sonne führen per Berührung zum E-Mail-Programm, aktuellen Nachrichten und Wetterprognosen. Zusätzlich lassen sich je nach Bedarf Licht und Küchengeräte ein- und ausschalten.

Der unscheinbare Bilderrahmen ist das Herzstück des Projektes "Casa Vecchia", und damit die Zentrale der Smart-Home-Technologie, mit der die Wohnung ausgestattet wurde. "Ich wohne allein und brauche 24 Stunden am Tag Sauerstoff. Da kann eine Hilfestellung nicht schaden", sagt Lora. Sie leidet an einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD), durch ihre ganze Wohnung zieht sich ein ausgeklügeltes Schlauchsystem, das sie ständig mit Sauerstoff versorgt.

Gemeinsam mit dem elektronischen Bild wurden auch Bewegungssensoren installiert, die auf dem Gang und an der Balkontür angebracht sind und die Aktivitätsmuster von Lora aufzeichnen. "Wenn ich in der Früh nicht aufs Klo gehe oder vergesse, den zentralen Stromschalter einzuschalten, wird mein Sohn benachrichtigt", sagt sie.

Dafür sammelten die Forscher der Universität Klagenfurt, die das Projekt 2011 in 20 Kärntner Haushalten starteten, zuerst Daten über typische Bewegungsmuster der Bewohner. Eine Vertrauensperson sieht dann an der Hintergrundfarbe des Smartphones, wie es der Mutter oder dem Opa geht: Bei Grün ist alles normal, bei Orange findet die Aktivität nicht zur gewohnten Zeit statt. Die Farbe Rot gibt eine deutliche Abweichung bzw. ein kritisches Ereignis wie das Anschlagen des Rauchmelders zu erkennen.

"Wir sind gerade bei der dritten Interview-Welle. Zusammen mit Psychologen und Soziologen wollen wir die Stärken und Schwächen des Systems ausloten", sagt Anton Fercher, Informatiker von der Uni Klagenfurt und Mitarbeiter an dem Projekt, das noch bis 2014 läuft und von der Forschungsförderungsgesellschaft FFG unterstützt wird.

"Casa Vecchia" ist nur eines von zahlreichen Forschungsprojekten, die sich der Entwicklung von Smart-Home-Technologien widmen, um es älteren und chronisch kranken Menschen zu ermöglichen, selbstständig den Haushalt zu meistern und dabei mit Angehörigen und Betreuern vernetzt zu bleiben. Bereits 120 derartige Projekte wurden vom Programm "Benefit" des Infrastrukturministeriums gefördert.

Das jüngste und umfangreichste Projekt wurde vergangene Woche präsentiert: Im Burgenland werden 50 vom Arbeiter-Samariter-Bund betreute Wohnungen mit intelligenten Technologien ausgerüstet: Blutdruck- und Blutzuckermesswerte können drahtlos in ein Gesundheitstagebuch am Smartphone übertragen oder gleich an den Hausarzt geschickt werden. Dazu kommen ein einfach zu bedienender Tablet-Computer, der etwa an die Medikamenteneinnahme erinnert, sowie Sensoren, die Notfallsignale aussenden, wenn sich etwas Ungewöhnliches ereignet.

Teures Sicherheitsgefühl

"Es geht darum, dass die Technologien nahtlos in den Wohnbereich integriert werden können und benutzerorientiert und modular aufgebaut sind", sagt Michaela Fritz, Leiterin des Health & Environment Department am Austrian Institute of Technology (AIT), wo die Tools für den Feldversuch in den vergangenen fünf Jahren entwickelt wurden. Nach einem Jahr soll das Projekt evaluiert werden. Einer Ausweitung auf andere Bundesländer stehe danach technisch gesehen nichts im Weg, sagt Fritz. Bereits im Oktober startet im Rahmen des Benefit-Programms die Ausschreibung für eine zweite Testregion.

Fest steht: Billig ist ein Smart Home nicht. 10.000 Euro kostet das Basispaket laut Michaela Fritz vom AIT. Die Kärntner Mindestversion ist laut Anton Fercher um 3000 Euro zu haben. "Das sind allerdings nur die Kosten für die Hardware. Dazu kommt noch die Konfiguration und die laufende Wartung", betont er. Der Informatiker plädiert dafür, sein Heim schon in jungen Jahren technisch aufzurüsten, damit man im Alter schon daran gewöhnt ist.

Waltraud Lora hat sich schon daran gewöhnt, dass Fercher und seine Kollegen immer wieder für ein System-Update vorbeikommen. "Ich fühle mich jetzt sicherer und würde später auch weitere Angebote gern annehmen." (Karin Krichmayr, DER STANDARD, 7.8.2013)