Was sich bei Suhrkamp abspielt, ist ein Königsdrama. Hätte sich Siegfried Unseld, der geniale Verleger, 1990 nicht mit seinem Sohn Joachim, als Nachfolger bereits designiert, überworfen, es wäre alles ganz anders gekommen. Denn Unselds zweite Frau, die Autorin Ulla Berkéwicz, hätte nicht die Leitung übernommen. Der Verlag wäre nicht gegen den Widerstand vieler von Frankfurt nach Berlin übersiedelt. Es gäbe nicht den Machtkampf mit dem Investor Hans Barlach. Und Peter Handke, der Barlach als einen "Abgrundbösen" bezeichnete, müsste nicht um seine verlegerische Heimat fürchten. 

Der Keim des Bösen, wenn man so will, wurde bereits bei der Gründung des Verlags 1950 gelegt: Hermann Hesse machte Peter Suhrkamp mit der Schweizer Unternehmerfamilie Reinhart bekannt. Sie gab das Geld – und erhielt 50 Prozent der Anteile. 1959, nach Suhrkamps Tod, übernahm Unseld, 1952 in den Verlag eingetreten, die Geschäfte. 1999 kaufte er von den Reinharts 21 Prozent und hatte damit die Mehrheit. Doch die restlichen 29 Prozent gingen 2006/2007 an Barlach. Er äußerte schon bald schwere Zweifel an den Fähigkeiten von Berkéwicz – und war damit nicht allein. Martin Walser, Norbert Gstrein, Adolf Muschg und andere verließen den Verlag. 

Selbst wenn Suhrkamp untergehen sollte: Die genannten Autoren haben bewiesen, dass man auch anderswo publizieren kann. Suhrkamp ist heute vor allem Nostalgie. (Thomas Trenkler, DER STANDARD, 8.8.2013)