Einige der größten Delikatessen kommen aus der Massentierhaltung: Mehlwürmer fühlen sich am wohlsten im – richtig: Mehl. Und das am besten zu Tausenden. Auch Heuschrecken, die gewiss keine Einzelgänger sind, munden hervorragend. In Südafrika werden Tausendfüßler wie anderswo Crevetten serviert (sie schmecken auch ähnlich) – die Ideen, sich von tierischem Eiweiß zu ernähren, sind weitreichend und in unseren Breiten noch längst nicht ausreichend erprobt.

Dennoch: Wer sein Schnitzel, sein Steak und seinen Speck mag, wird Kalb, Rind und Schwein den niederen Insekten vorziehen. Auch pflanzlicher Ersatz – wer mag schon Tofu-Steak? – reicht nicht aus; erst diese Woche haben wir gelernt, dass auch aus künstlich vermehrten Zellen gewonnenes Fleisch (noch) keinen richtigen Burger ergibt.

Und selbst wenn: Wer würde sich gerne auf Mehlwürmer und Kunstfleisch verweisen lassen? Wer würde Kaffee trinken, wenn er eigentlich Tee bestellt hat, wer Wein, wenn er Bier präferieren würde? Mag das auch noch so gut gemeint sein, mag es auch noch so gut zubereitet sein: Freie Auswahl zu fairen Preisen ist nun einmal das Kennzeichen einer freien Gesellschaft. Wir brauchen keinen Nanny-State, der uns Schweinefleisch untersagt und stattdessen Mehlwürmer, Tofu oder Rüben auf den Teller legt. Man muss wissen, was man bekommt – und informiert entscheiden. Ohne weitere Vorgaben.  (DER STANDARD, 9.8.2013)