Brüssel - Der Arktis-Berichterstatter des Europaparlaments, der deutsche CDU-Abgeordnete Michael Gahler, warnt davor, dass die EU die aktuellen Entwicklungen in der Arktis verschlafen könnte. Geologen vermuten große Vorkommen von Öl, Gas und anderen Rohstoffen in der Arktis, sowohl an Land als auch auf dem Meeresboden und darunter. Durch die Klimaerwärmung werden diese zugänglich und wecken Begehrlichkeiten der Weltmächte. China schicke bereits ganze "Jumbojet-Ladungen" Interessenvertreter gen Grönland, so Gahler. 

Neues Projekt

Mit einem Crowd-Funding-Projekt startet indessen die Umweltorganisation Greenpeace eine neue Initiative, um auf die negativen ökologischen Folgen aufmerksam zu machen, die die Ausbeutung der arktischen Rohstoffe mit sich bringen würde. Aktueller Anlass ist der Plan des Ölkonzerns Gazprom, der auch in Österreich eine Niederlassung hat, noch in diesem Jahr in arktischen Gewässern nach Öl zu bohren, nachdem die Pläne von Shell im letzten Jahr verhindert werden konnten, so Greenpeace in einer Stellungnahme.

Nachdem Shell seine Aktivitäten in der Arktis bei Alaska ausgesetzt hat, geht es nun um die Rohstoffförderung in der russischen Arktis, für die Gazprom Lizenzen hat. Im April unterzeichneten beide Unternehmen Absichtserklärungen für eine entsprechende Kooperation. Die Umweltschutzorganisation wies darauf hin, dass die vermutete Ölmenge in der Arktis zwar den derzeitigen Weltverbrauch für etwa drei Jahre zu decken würde, doch das Risiko bei einer Förderung nicht berücksichtigt würde.

So gebe es etwa seitens der Ölkonzerne weder einen wirkungsvollen Plan für das Verhalten bei Unfällen noch genügend Rettungsschiffe oder ausreichend gutes Equipment für Aufräumungsarbeiten. Die Havarien von zwei Shell-Bohrschiffen im vergangenen Jahr in der US-amerikanischen Arktis hätten zudem gezeigt, dass Ölkonzerne aufgrund extremer Wetterbedingungen in der Region nicht sicher arbeiten können. (APA/red, derStandard.at, 9. 8. 2013)