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Wandelndes Country-Lexikon: Jack Clement.

Foto: Reuters / J. Sommers

Nashville/Wien - U2? Nie gehört, aber wenn sie gebucht haben, wird es schon passen. So ungefähr soll es sich 1987 abgespielt haben, als die irische Band das Sun Studio in Memphis gemietet hatte, um das Album Rattle and Hum bei Jack Clement aufzunehmen. Allein - der hatte zuvor noch nie etwas von Bono und Co gehört.

Jack Henderson Clement stand deshalb auf Bonos Wunschliste, weil er als Sun-Produzent Künstler in den 1950er-Jahren - Leute wie Johnny Cash, Roy Orbison und dutzende andere Rock-'n'-Roll-Pioniere - produziert hatte. Unter anderem entdeckte er Jerry Lee Lewis, den "Killer", und produzierte dessen Oberweiten-Klassiker Whole Lotta Shaking Going On.

Der am 5. April 1931 geborene Musiker, Songwriter, Produzent und spätere Filmproduzent produzierte für Johnny Cash dessen ewiges Ring of Fire. Clement war es, der dem Song die charismatischen Mariachi-Hörner verordnet hatte.

In den 1960ern ebnete er in Nashville den Weg für die Country-Outlaws. Er überredete Kris Kristofferson, nach Nashville zu kommen, und war maßgeblich an der Karriere von Charley Pride beteiligt, dem ersten afroamerikanischen Countrystar. 13 Alben hat Clement für den nach Elvis Presley erfolgreichsten RCA-Künstler seiner Zeit aufgenommen.

Daneben arbeitete er mit Ray Charles, Townes Van Zandt, Elvis, George Jones und Waylon Jennings. Schon wegen seiner Umtriebigkeit galt er als Anekdoten-Maschine und wandelndes Lexikon der Countryszene.

Das eigene Werk des Multiinstrumentalisten blieb schmal. 1978 nahm er das stimmungsvolle Country-Folk-Album All I Want To Do In Life auf, 2004 das Album Guess Things Happen That Way, dessen Titelsong er bei Johnny Cashs Begräbnis gespielt hat. Nach einer Leberkrebserkrankung ist Jack Clement, den alle immer nur "Cowboy" riefen, gestorben. Er wurde 82 Jahre alt.  (Karl Fluch, DER STANDARD, 10./11.8.2013)