Gute Nachrichten für alle, die seit Jahren mutmaßen, dass den Österreichern Wissenschaft und Forschung gleichgültig ist. Immerhin 59 Prozent antworteten bei einer Umfrage des Instituts Ecoquest im Auftrag des Wissenschaftsministeriums mit "sehr" oder "eher" interessiert. Nur zwölf Prozent sagten dabei "gar nicht interessiert".

Das Ergebnis steht im Gegensatz zu bekannten Studien, die den Österreichern ein hohes Maß an Technikablehnung bescheinigen. Politikwissenschafter und Meinungsforscher Peter Ulram führte diese am Montagabend auf mangelnde Aufklärung, technikfeindliche Medienkampagnen und kulturelle Gründe zurück. Löse man die Technik von den Wissenschaften, komme eben das überraschende positive Ergebnis heraus.

Auch das Wissen der Österreicher wurde überprüft: Die Umfrageteilnehmer konnten immerhin Wissenschafter wie Sigmund Freud, Anton Zeilinger, Erwin Schrödinger oder Konrad Lorenz nennen. Die bekannteste Forschungseinrichtung ist die Akademie der Wissenschaften.

Schlecht informiert

Die Befragten gaben auch ihren Informationsstand an. Demnach fühlen sich die Österreicher über Entwicklungen in Wissenschaft und Forschung eher schlecht (40 Prozent) bzw. sehr schlecht (14 Prozent) informiert. Ulram erkennt ein Vermittlungsproblem: 70 Prozent beschwerten sich über die unverständliche Fachsprache der Wissenschafter. Das Interesse an Veranstaltungen, die Forschungsthemen leicht verständlich vermitteln sollen, sei aber sehr groß. Wenig überraschend sind die Österreicher vor allem neugierig auf wissenschaftliche Highlights aus der Medizin. Mathematik liegt dabei am untersten Ende dieser Rangliste.

Wie die Interessenslage der Österreicher im Vergleich zu anderen europäischen Ländern steht, war nicht Thema von Ecoquest, sondern wurde zuletzt von Eurobarometer analysiert. Dabei erreichte das Land den Spitzenplatz in Sachen Gleichgültigkeit gegenüber Grundlagenforschung. (Peter Illetschko, DER STANDARD, 14.8.2013)