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Jimmy Wales übt harsche Kritik am Unterfangen der britischen Regierung.

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Oberster Advokat der Einführung eines Pornofilters in Großbritannien ist Premier Cameron - doch ihm treten zahlreiche Kritiker entgegen.

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Für Kontroversen in der Bevölkerung sorgt die britische Regierung mit ihren Plänen zur Einführung eines "Pornofilters" für alle Internetnutzer. Einer der Advokaten des Projekts ist Premier David Cameron, der Kinder vor laut "Independent" vor "giftigen" Pornoseiten schützen möchte und vor Kinderpornografie im Netz warnt.

Alle ISPs des Landes sollen einen entsprechenden Filter einrichten, der standardmäßig für die Nutzer aktiviert ist. Wer ihn für den eigenen Zugang abschalten will, muss dies nachträglich selbst tun. Man spricht auch von einem Opt-out-Verfahren. Das Konzept stößt auch in Österreich auf Interesse. Hierzulande wäre eine Einführung auch für die ÖVP vorstellbar.

Prominente Kritik

Das Vorhaben hat prominente Kritiker auf den Plan gerufen. Besonders deutliche Worte hat Wikipedia-Gründer Jimmy Wales gefunden. Pädophile müssten den Filter einfach nur abdrehen, um weiter nach kinderpornographischen Inhalten suchen zu können. Das Projekt sei "eine absolut lächerliche Idee, die nicht funktioniert", meinte er gegenüber dem TV-Sender "Channel 4 News".

In praktischer Hinsicht zeigen andere Systeme mögliche Probleme auf, die sich bei einer flächendeckenden Einführung eines solchen Filters ergeben. Selbst aktuelle Systeme sind nicht in der Lage, Netzinhalte mit hundertprozentiger Gewissheit zuzuordnen.

Kein "Hamlet" in der British Library

So berichtet der englische Autor Mark Forsyth auf seinem Blog von einem Arbeitsausflug in die British Library in London. Er schildert, dass es ihm dort nicht möglich war, Shakespeares "Hamlet" auf der Homepage des MIT aufzurufen.

Laut von der Bibliothek installierten Filter handle es sich nämlich um "gewalttätige Inhalte", die zum Schutze junger Besucher blockiert werden. Facebook und YouTube sind aber frei zugänglich. Erst nach mehrfacher Konsultation der zuständigen IT-Abteilung erreicht das Werk des legendären britischen Dramatikers nun auch die Rechner der Bibliotheksbesucher. Eine flächendeckend eingeführte Pornosperre birgt, wie an diesem Beispiel ersichtlich, das Potenzial, viele Inhalte unzugänglich zu machen, die fälschlicherweise als explizit identifiziert werden.

Schnell umgehbar

Dazu sind Inhalts-Filter im Web meist schnell zu umgehen. Das Team hinter der Filesharing-Seite "The Pirate Bay" hat erst vor kurzem einen eigenen Browser veröffentlicht, der ohne besonderem Zutun des Nutzers in der Lage sein soll, derlei Schranken zu umschiffen. Er soll unter anderem im Iran freien Zugang zu sonst gesperrten Seiten ermöglichen. Die Software wurde mittlerweile über 100.000 Mal heruntergeladen. (gpi, derStandard.at, 15.08.2013)