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Stimmungsmache gegen die USA: Tamarod-Mitbegründer Mahmud Badr.

Foto: APA/EPA / K. Elfiqi

Kairo – Die Protestbewegung Tamarod (Rebellion), die bis Ende Juni mehr als 22 Millionen Unterschriften für den Sturz von Präsident Mohammed Morsi gesammelt – und dadurch dem Eingreifen der Militärs am 3. Juli Legitimität verschafft – hatte, legt eine neue Petition auf. Innerhalb von zwei Tagen haben 300.000 Ägypter und Ägypterinnen online die Forderung nach einem Referendum unterschrieben, in dem über zwei Punkte abgestimmt werden soll: die Zurückweisung jeglicher US-Hilfe für Ägypten und die Annullierung des Friedensvertrags mit Israel.

Ägypten solle wegen "der eklatanten und wiederholten Einmischung der USA in ägyptische Angelegenheiten und der US-Unterstützung für Terrorgruppen" (gemeint sind die Muslimbrüder, Anm.) kein Geld mehr von den USA annehmen. Außerdem soll der Friedensvertrag mit "der israelischen Entität", wie es in der Petition heißt, aufgehoben werden. Gleichzeitig wird aber eine Neuformulierung der Sicherheitsabkommen verlangt, um "Ägyptens Recht, seine Grenzen zu sichern, zu garantieren". Das ist keine neue Forderung: Ägypten würde gerne die Einschränkungen der Militarisierung auf seiner Seite der Grenze neuverhandeln. Für Israel ist das ein Dilemma: Je unberechenbarer Ägypten wird, desto weniger gern hat man ägyptische Truppen an der Grenze; gleichzeitig hat Israel aber auch Interesse daran, dass die Ägypter auf dem Sinai die Sicherheit wieder herstellen und die internationalen jihadistischen Umtriebe in den Griff bekommen.

Tamarod, von fünf jungen Aktivisten gegründet, wird immer mehr zum radikalen Stimmungsmacher auch gegen den Westen. Ihr Sprecher ist Mahmud Badr (28), der unter Hosni Mubarak zur Oppositionsbewegung Kifaya gehörte und sich nach 2011 der Partei Mohamed ElBaradeis anschloss. Tamarod reagierte mit Verachtung auf dessen Rücktritt: Er stehle sich aus der Verantwortung. An US-Präsident Barack Obama richtete sich Badr zuletzt persönlich: "Warum fährst du mit deiner kleinen unbedeutenden Hilfe nicht zur Hölle?" Die Militärhilfe allein beträgt 1,3 Mrd. Dollar jährlich. Es ist nicht anzunehmen, dass die – von Saudi-Arabien beratenen Militärs – Interesse daran haben, die Kooperation mit den USA zu stoppen. (guha/DER STANDARD, 19.8.2013)