Prag - Der tschechische Ex-Regierungschef Petr Necas trennt sich im Beruflichen weiterhin nicht von seiner umstrittenen, ehemaligen Büroleiterin und Geliebten Jana Nagyova. Nach Medienberichten vom Montag hat er sie nun zu seiner Assistentin - diesmal in seiner Funktion als einfacher Parlamentsabgeordneter - gemacht. Die tschechischen Abgeordneten dürfen Assistenten beschäftigen, für die sie etwa 36.000 Kronen (1.395 Euro) monatlich zur Verfügung haben.

Bespitzelung der Ex-Frau angeordnet

Nagyova ist die Hauptfigur jener Korruptions- und Bespitzelungsaffäre, über die Necas' Regierung im Juni stolperte. Nagyova wird vorgeworfen, als Büroleiterin den Militärgeheimdienst mit der Bespitzelung von Necas' damaliger Ehefrau beauftragt zu haben. Außerdem soll sie in eine Affäre dreier rebellierender Abgeordneter von Necas' konservativer ODS (Demokratische Bürgerpartei) verwickelt sein. Die drei hatten 2012 ihre Mandate im Gegenzug für lukrative Posten in staatlichen Firmen niedergelegt und damit die Annahme eines Steuerpakets ermöglicht. Deswegen verbrachte Nagyova einige Wochen in Untersuchungshaft.

Nagyova arbeitet seit Jahren für Necas. Sie war schon in seiner Zeit als Arbeitsminister seine Büroleiterin. Kürzlich gestand Necas offiziell ein intimes Verhältnis zu Nagyova ein. Darüber war schon lange vorher spekuliert worden. Als eines der Anzeichen dafür wurden ungewöhnlich hohe Prämien betrachtet, die Necas an Nagyova auszahlen ließ.

"Sieht wirklich nicht gut aus"

Die Parteikollegen von Necas kritisieren nun den Ex-Premier, dass er Nagyova trotz aller Affären als seine Abgeordneten-Assistentin beschäftigt. "Es sieht wirklich nicht gut aus. Assistenten sollten nicht Leute sein, die in einem Verwandtschaftsverhältnis oder anderem privaten Verhältnis zu den Abgeordneten stehen", meinte der frühere ODS-Klubobmann Zbynek Stanjura. (APA, 19.8.2013)