Das war schon überraschend, wie der deutsche Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) dem Volk zwar nicht reinen, aber immerhin griechischen Wein bei einer Wahlkampfveranstaltung eingeschenkt hat. Galt doch bezüglich etwaiger weiterer Finanzhilfen für Athen das Gleiche wie für Fußpilz: Man spricht nicht darüber.

Die Spekulationen, warum sich Schäuble zu der Aussage, Griechenland werde ein drittes Hilfspaket benötigen, hinreißen hat lassen, sind mannigfaltig. Es sei ihm in rausgerutscht, lautet eine der weniger glaubwürdigen. Also bitte! Schäuble ist seit Jahrzehnten ein absoluter Politprofi. Dem passiert so etwas nicht einfach.

Vielleicht wollte er die Deutschen auf etwas verklausulierte Art davor warnen, SPD, Grüne oder Linke zu wählen - nach dem Motto: Die Eurokrise ist noch nicht ausgestanden, und bisher seid ihr doch gut mit Angela Merkel und ihrer schwarz-gelben Regierung durchgekommen.

Klar ist, dass Schäuble ausgesprochen hat, was ohnehin hinter vorgehaltener Hand in Berlin schon lange getuschelt wird. Das ist löblich, denn Kehrtwenden nach der Wahl fördern die Politikverdrossenheit.

Jetzt, da die Katze aus dem Sack ist, wäre es gut, wenn Merkel etwas mehr beisteuern könnte als: "Ich kann dazu nichts sagen." Es geht schließlich um das Geld derer, die sie am 22. September wählen sollen. Doch selbst wenn sie schweigt, die Opposition wird genügend Dampf machen. (Birgit Baumann, DER STANDARD, 22.8.2013)