Wien - FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache hat sich von jener FPÖ-nahen Facebook-Gruppe, die gegen Muslime und Juden hetzte, distanziert, hat aber gleichzeitig FPÖ-Funktionäre aus der Verantwortung genommen. Es handle sich um "verabscheuungswürdige Hetz-Postings von diversen Usern", diese seien aber anonym, müssten ausgeforscht und seien "zur Verantwortung zu ziehen", postete Strache am Freitag auf seiner persönlichen Facebook-Seite.

"Kein 'like' gedrückt"

FPÖ-Funktionäre, die der Gruppe beigetreten waren, hätten sich aber nichts zuschulden kommen lassen, meint Strache. "Kein FPÖ-Funktionär hat offensichtlich irgend ein verhetzendes Posting auf die Seite gestellt, auch nicht geteilt, nicht kommentiert, nicht gelesen und auch kein 'like' gedrückt." Die FPÖ und ihre Funktionäre hätten sich nichts von den "bewusst falschen und inkriminierenden Behauptungen und Unterstellungen" zuschulden kommen lassen. Für Strache gehören jene User, die für die hetzerischen Postings in der Facebook-Gruppe verantwortlich sind, "angezeigt, ausgeforscht und zur Rechenschaft gezogen".

"Grundsätzlich finde ich jede 'positive' Unterstützungsseite für die FPÖ 'toll'", meinte Strache grundsätzlich in seiner Stellungnahme via Facebook. Aber: "Verhetzende Hasspostings lehne ich zutiefst ab, solche lösche ich auch konsequent und auch die Administratorin dieser privaten Seite versichert, diese auch regelmäßig gelöscht zu haben." Die besagte Facebook-Gruppe habe zudem nicht 150, sondern mehr als 1.550 Mitglieder gehabt, unterstrich Strache.

"Abgesprochene Aktion"

Am Donnerstag hatte Strache noch von einer Verschwörung gesprochen. "Der seit gestern breit getrommelte 'Facebook-Skandal' könnte eine zwischen diversen Medien und den Parteisekretariaten unserer Mitbewerber abgesprochene Aktion gewesen sein", meinte Strache in einem Facebook-Posting. Nachsatz: "Teilweise ist die Dramaturgie ein wenig durcheinandergeraten ..."

Kultusgemeinde hatte Distanzierung gefordert

Zuvor hatte die Israelitische Kultusgemeinde Konsequenzen aus der Enthüllung der Facebook-Gruppe verlangt. Die hetzerische Seite sei ein Beweis dafür, dass sich die FPÖ-Verantwortlichen von den "Kellernazis" noch immer nicht getrennt hätten. "Ich fordere daher Strache auf, sich umgehend von den 'Kellernazis' zu trennen oder zurückzutreten", erklärte IKG-Präsident Oskar Deutsch in einer Aussendung.

Alle anderen Parteien forderte er auf, eine politische Partnerschaft mit der FPÖ auszuschließen. Das wäre ein Akt der Nächstenliebe gegenüber dem demokratischen Österreich, so Deutsch in Anspielung auf die "Nächstenliebe"-Wahlkampagne der FPÖ.

Den Rücktritt von FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache forderte auch das Mauthausen-Komitee. Für dessen Vorsitzenden Willi Mernyi "hat die FPÖ endgültig bewiesen, dass sie eine rechtsextreme und zutiefst menschenverachtende Partei ist". "Wenn der freiheitliche Bundesobmann Strache noch einen Rest von Anstand hat, tritt er sofort zurück", so Mernyi. Auch er richtet an die anderen Parteien den "dringenden Appell", sich von der FPÖ klar abzugrenzen und jedes Bündnis mit ihr auszuschließen: "Wer sich mit solchen Hasspredigern zusammentut, schadet Österreich und seiner Bevölkerung." (APA, 22.8.2013)