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Mehr als 3000 Besucher kommen täglich auf den neuen Holzturm auf dem Pyramidenkogel. Derzeit fährt auch der Lift wieder. 

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Klagenfurt - Gerhard Oleschko, freiheitlicher Bürgermeister von Keutschach am See, ist stolz auf sein neues Wahrzeichen, den weltweit höchsten Holz-Aussichtssturm auf dem Pyramidenkogel. Seit dem Eröffnungstag am 20. Juni zählt die Gemeinde bereits 150.000 Besucher. Einer davon ist ein asiatischer Milliardär, dessen Identität der Bürgermeister auf gar keinen Fall preisgeben will. Der sei gekommen, um sich die imposante Holz-Stahl-Konstruktion anzuschauen - und gegebenfalls etwa nachzubauen? Nach Hallstatt auch der Turm zu Keutschach als China-Fake? "Kommt nicht infrage", wehrt Oleschko ab: "Dann würden wir ja unser Alleinstellungsmerkmal verlieren."

Von den Pannen am Turm dürfte Oleschko seinem betuchten Gast wohl kaum erzählt haben. Den Weg zur Turmspitze haben die beiden jedenfalls wieder mit dem Lift zurücklegen können. Der war nämlich schon einige Male steckengeblieben und hatte die teils stundenlang eingeschlossenen Passagiere gehörig verängstigt. Zumal die zuschauen mussten, wie der heftige Wind die 200 Meter langen Tragseile immer wieder ineinander verwickelte.

"Es ist so gekommen, wie prophezeit"

Das erste Mal streikte der Lift schon drei Tage nach der Eröffnung. Etliche Besucher mussten seither die 441 Stufen zu Fuß hinaufschnaufen - zum halben Preis selbstverständlich, heißt es. Auch haben bereits zwei Basejumper den Turm entdeckt, deren illegale Fallschirmsprünge auf Youtube für Nachahmer sorgen könnten. Für Lebensmüde würde das nur 1,20 Meter hohe Sicherheitsgeländer auch kein besonderes Hindernis darstellen.

Für die Kritiker des ehrgeizigen Projekts ist das alles natürlich Wasser auf ihre Mühlen. "Es ist genauso gekommen, wie wir prophezeit haben", sagt Grünen-Gemeinderat Albrecht Grießhammer.

Sturm auf den Turm

Dass der Turm trotz der Pannen von Besuchern derzeit regelrecht gestürmt wird, sei noch kein Zeichen von Nachhaltigkeit, sagt Grießhammer. Man habe das ursprünglich zehn Millionen Euro teure Projekt zwar abgespeckt, aber offenbar am falschen Platz gespart, etwa beim Personal. Auch habe es vor Inbetriebnahme des Lifts keine vollständige TÜV-Abnahme gegeben, sekundiert der VP-Gemeindevorstand Michael Holliber.

Der Gemeinde sei durch den Liftstillstand Schaden entstanden, die Haftung für die Ausfallskosten müsse die Liftbaufirma übernehmen, verlangt Holliber. Zumal die Gemeinde laut Kritikern einen "Knebelvertrag" mit dem Land Kärnten habe eingehen müssen. Denn die Gemeinde habe die gesamten Kreditkosten zu tragen, verfüge aber nur über 49 Prozent an der Betreibergesellschaft, während die Kärntner Tourismusholding (KTH) 51 Prozent halte.

"Unsinn" entgegnet Oleschko. Diese Konstruktion sei wegen der EU-Förderungen nötig gewesen. Die Probleme seien bei einer solchen erstmals realisierten Außenliftanlage nichts Außergewöhnliches. Es werde ständig nachjustiert. Und die illegalen Basejumper? "Super", sagt der Bürgermeister, "das war doch eine indirekte Werbung für uns." Sicherheitsnetze auf der Plattform will er nicht anbringen: "Dann wäre die schöne Aussicht beeinträchtigt." (Elisabeth Steiner, DER STANDARD, 23.8.2013)