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Microsoft-CEO Steve Ballmer hat seinen Rückzug angekündigt.

Foto: AP

Bei Microsoft geht eine Ära zu Ende: Überraschend kündigte der weltgrößte Software-Konzern am Freitag den Rücktritt seines Chefs Steve Ballmer innerhalb der kommenden zwölf Monate an. Nach 13 Jahren an der Spitze werde der direkte Nachfolger des legendären Firmengründers Bill Gates noch so lange im Amt bleiben, bis ein neuer Vorstandsvorsitzender gefunden sei. Gates soll dem Ausschuss angehören, der in- und extern nach einem neuen Konzernlenker sucht. Ballmer hatte erst im Juli eine Neuausrichtung bei dem US-Unternehmen angekündigt, dessen frühere Vormachtstellung durch den Wandel zu Tablets und Smartphones schwindet.Die Nachricht vom Führungswechsel wurde an der Börse mit heller Freude aufgenommen: Microsoft-Aktien legten rund sieben Prozent zu. Analysten bezeichneten den Schritt als überfällig.

Überlegungen

Seine ursprünglichen Pläne für einen späteren Rücktritt hätten dazu geführt, dass der Wechsel mitten in den Umbau von Microsoft in einen Konzern für Elektronikgeräte und Dienstleistungen gefallen wäre, erklärte Ballmer. "Wir brauchen einen CEO, der langfristig für diesen Richtungswechsel zur Verfügung steht." Der 57-Jährige übernahm im Januar 2000 den Chefposten von Gates. Er gilt als temperamentvoller Manager und ist für seine ausgefallenen Auftritte bei Firmenveranstaltungen bekannt. Vor lauter Engagement schwitzte er seine Hemden durch oder brüllte wie besessen "Developers, developers, developers" - das englische Wort für Entwickler - bei einer Konferenz für Software-Entwickler in den Saal. Videoaufnahmen von seinen Auftritten werden im Internet millionenfach angeklickt.

Scharfe Kritik

Der Mathematiker steht bereits länger in der Kritik von Branchenexperten und Investoren. Jüngst hatte der Fonds ValueAct Capital einen kleinen Teil von Microsoft aufgekauft und begonnen, lautstark eine neue Strategie und eine klare Nachfolge-Regelung für die Konzernspitze gefordert. "Ballmer hätte schon vor mindestens acht Jahren gehen sollen", sagte Analyst Trip Chowdhry von Global Equities Research. Er habe sich nie den für ein Technologie-Unternehmen so wichtigen Respekt der Entwickler und Ingenieure verdient. Auch Zeus Kerravala von ZK Research hält Ballmers Zeit für abgelaufen. "Microsoft lebt immer noch vom klassischen PC-Geschäft, in dem Ballmers Stärken liegen. Er war der richtige Mann für seine Ära, aber die Zeiten haben sich geändert." Es werde eine neue Führung benötigt.

Experten spekulierten sofort nach der Ankündigung über tiefgreifende Veränderungen, die nun bei Microsoft anstehen könnten. "Sie werden einen massiven Umbau in Angriff nehmen", sagte Colin Gillis von BGC Partners. Andrew Bartels von Forrester Research geht davon aus, dass nun ein Chef gesucht werde, der möglicherweise sogar den Mut habe "das Unternehmen aufzuteilen, Windows abzuspalten". Allerdings sei massiver Widerstand von Gates gegen einen solchen Kurs zu erwarten.

Schwierige Anpassungen

Während Microsoft früher zusammen mit dem Chipriesen Intel die Computerwelt beherrschte, tat sich der Windows- und Office-Hersteller mit dem Übergang in das Zeitalter von Tablet-Computern und Smartphones schwer. Konkurrenten wie Apple setzten dem Konzern mit neuen Geräten zu, während alternative Betriebssysteme wie das auf Linux basierte Android von Google sich auf Smartphones und Tablet-PCs breitmachten.

Ballmer steuerte dagegen, hatte jedoch eher wenig Glück. Um Apples iPhone etwas entgegenzusetzen verbündete er sich mit dem finnischen Handybauer Nokia, dessen Stern als einstiger Marktführer allerdings scheinbar unaufhaltsam verblasst. Bei den Tablets verließ sich Microsoft nicht mehr auf traditionelle Großkunden wie Hewlett-Packard oder Dell, sondern ließ eigene Geräte bauen. Dies waren am Markt allerdings chancenlos gegen die Modelle von Apple und Samsung. Bei den Betriebssystemen verzeichnete Ballmer sowohl Erfolge als auch Fehlschläge. Während Experten die Windows-Version 7 lobten, wurde der Vorgänger Vista und auch der Nachfolger 8 als unausgegoren geschmäht.

Würdigung

Experte Bartels nahm Ballmer teilweise in Schutz. Server, die Spielekonsole Xbox und Produkte der Suchmaschine Bing hätten einige Erfolge verbuchen können, sagte er. Zwar sei die Kritik am Microsoft-Chef wegen der Entwicklung bei Windows gerechtfertigt. Allerdings: "Ballmers Leistungen in den anderen Sparten werden nicht ausreichend gewürdigt." (Reuters, 23.08.13)