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Microsoft stellt Steve Ballmers Abgang als geplanten Coup dar

Foto: ap

Am späten Freitagnachmittag verkündete Microsoft den Abgang seines langjährigen Chefs Steve Ballmer. In einer Aussendung gab das Unternehmen bekannt, dass sich Ballmer in den nächsten zwölf Monaten zur Ruhe setzen werde – nach einer geplanten reibungslosen Übergabe an einen Nachfolger.

Große Überraschung?

Doch Ballmers Abgang soll überraschender gewesen sein als es Microsoft in seiner Aussendung darstellt. Was nach einem geplanten und gemächlichen Übergang klingt, soll auch für Insider des Unternehmens eine großes Aha-Erlebnis gewesen sein. Davon ist zumindest "AllThingsD" überzeugt, denn Ballmer soll vor allem nach der Umstrukturierung des Unternehmens nicht vorgehabt haben, so schnell seinen Hut zu nehmen.

Besser früher als später

Für die Entscheidung, das Unternehmen als CEO zu verlassen, soll vor allem der Vorstand des Unternehmens verantwortlich gewesen sein, dem unter anderem auch Microsoft-Gründer Bill Gates angehört. Der Vorstand soll entschieden haben, dass es besser sei, wenn Ballmer Microsoft früher verlasse als ursprünglich geplant.

Kein Veto von Gates?

Die Gründe dafür sollen vor allem in Microsofts Performance und an einem kritisierten Führungsstil von Steve Ballmer zu finden sein. Dass er selbst davon überrascht war, lässt sich an seinem Brief, den er an die Mitarbeiter des Unternehmens adressierte, auch herauslesen. Dort heißt es, dass er ursprünglich erst etwas später gehen wollte. Der Brief soll auch intern für viele Gerüchte gesorgt haben, da in ihm Bill Gates kein einziges Mal erwähnt wird. Viele sehen darin den Beweis, dass Gates selbst Ballmer die Nachricht seines Abgangs verkündete. Andere wiederum behaupten, der Vorstand hätte dies entschieden und Gates im Speziellen kein Veto eingelegt.

Wertverlust

Der Netflix-Chef Reed Hastings und einige Investoren sollen bereits vor Jahren gefordert haben, Ballmer als CEO abzusetzen. Vor allem letztere sollen beklagt haben, dass das Unternehmen durch Ballmer massiv an Wert verloren habe. Und die Zahlen sprechen für sich: Einen Tag vor seinem Antritt als CEO lag der Börsenwert von Microsoft bei 600 Milliarden Dollar. Am Donnerstag, also einen Tag vor Ankündigung seines Abgangs, bei 270 Milliarden.

Die Macht der Investoren

ValueAct, einer der größten Investoren von Microsoft, soll Druck ausgeübt und neben Ballmers Abgang noch weitere Maßnahmen gefordert haben: Einen Teil seiner Anteile zu verkaufen und eine Erhöhung der Dividende. Auch wolle das Unternehmen jemanden im Vorstand platzieren. Ballmers Abgang könnte also ein Entgegenkommen sein, um den Einfluss des Investors etwas zu minimieren. Wäre ValueAct im Vorstand, hätte Ballmer wohl schon früher seinen Hut nehmen müssen, meinen einige Insider.

Ungewöhnlich ruhiger Ballmer

Ballmer selbst meint jedenfalls, es sei seine eigene und persönliche Entscheidung gewesen, zu der ihn niemand gedrungen oder ihn davon abgehalten hätte. Ballmer sei seit Monaten enthusiastisch ob der Änderungen im Unternehmen gewesen. Einige Mitarbeiter meinen, dass er nach der Entscheidung über den Abgang aber ungewöhnlich ruhig wirkte. (red, derStandard.at, 26.8.2013)