Let's be frank: Mit diesem Personal kann Frank Stronach kaum "das Systäm" aufbrechen. Vielmehr hat er mit seinem Team eine neue Selbstvernichtungsgruppe geschaffen - die nach dem 29. September zwar höchstwahrscheinlich ins Parlament einzieht, sich dort aber früher oder später einen gruppendynamischen Super-GAU liefern wird.

Angesichts des jüngsten Beinahe-Abgangs des Salzburger Listendritten, der nach seinem "Saustall"-Befund offenbar doch noch einmal eingefangen wurde, offenbart sich das gesamte Chaos, das sich derzeit hinter dem erfolgreichen Magna- und Partei-Gründer abspielt. Denn bisher hat es der achtzigjährige Selfmade-Milliardär, der am liebsten noch das gesamte Land umkrempeln würde, zu keiner Mannschaft gebracht, die ideologisch an einem Strang ziehen würde.

Die erste Liga hinter Stronach machen die einst von der FPÖ zum BZÖ übergelaufenen Hinterbänkler aus, die vor der prophezeiten orangen Niederlage am Wahltag noch schnell einen neuen Job im Parlament ergattern wollten. Ihre Vision? Finanzielles Überleben auf gleichbleibend hohem Niveau. Ihre Skills: Führungsfiguren verherrlichen - egal, was diese bis zu ihrem Untergang anstellen.

Zu Kategorie zwei zählen vormals arrivierte Persönlichkeiten "des Systäms", das "der Fränk" bekämpfen will. Als vorderste Vertreterin dieser Gruppe galt wenige Tage lang Ex-ORF-Chefin Monika Lindner, bis diese befand, doch keine Sprüche gegen Raiffeisen, Regierungsfunk und Erwin Pröll von sich geben zu wollen. Ebenfalls in dieser Kategorie: Max Edelbacher, früher Wiens Kripo-Chef, nun Listendritter in der Bundeshauptstadt. Was diese Leute wohl angetrieben hat? Angeblich ihr aufgestauter Ärger über "das Systäm" - oft verbirgt sich dahinter aber schlicht die Angst vor dem Pensionsschock. Das Gefahrenpotenzial, das von diesen Stronach-Befürwortern ausgeht: Sie haben und leisten sich eine eigene Meinung, was - siehe Lindner - für das Team recht peinlich enden kann.

"Wir sind ein z'ammg'fangter Haufen, in dem jeder seine Frustrationen hinter sich hat", erklärte Edelbacher, jetzt Stronachs Korruptionsexperte, unlängst ohne Umschweife. Stronachs angezählter Klubchef Robert Lugar hingegen beteuert, dass wöchentlich "bis zu hundert" Euphorisierte beim abermillionenschweren Dreamteam anheuern wollen.

Doch vor allem jene, die sich bereitwilligst um autoritäre Alpha-Männer wie Stronach scharen, legen oft nicht gerade langes, von großen Ideen getragenes Durchhaltevermögen an den Tag. Diese Art von Fans hechelt eher dem schnellen Erfolg nach und strebt für sich selbst gern eine Vita vom einfachen Bua zum großen Macher an.

Das bisher zwischenmenschliche Ergebnis der seltsamen Mischkulanz hinter Stronach: Zank und Zwietracht, wohin das Auge reicht. In Tirol balgten sich drei Listen unter seinem Label um die Wähler - ohne Erfolg. In Salzburg liegt trotz Einzugs des Teams in den Landtag die Mannschaft, vor allem Ex-ÖVPler und Ex-BZÖler, miteinander im Clinch. In Niederösterreich wurde von Stronach selbst der prominente ÖVP-Sprössling und -Abkömmling Ernest Gabmann junior zuerst angeheuert, dann fallengelassen, dann doch an die Klubspitze gewählt.

Sobald Stronachs gewähltes Team im Parlament sitzt, sind dort Dramen à la "Dallas" und "Denver" garantiert - das ist zwar unterhaltsam, doch Österreichs Demokratie wird damit kein bisschen reifer. (Nina Weißensteiner, DER STANDARD, 27.8.2013)