Mehr als 530.000 Wahlberechtigte haben Migrationshintergrund - das entspricht knapp neun Prozent aller, die am 29. September an die Urnen dürfen. Davon stammen mehr als 170.000 aus dem ehemaligen Jugoslawien, mehr als 110.000 sind sogenannte "Austro-Türken". Theoretisch verfügt diese Gruppe von Wahlberechtigten also über doppelt so viele Stimmen wie für den Einzug einer Partei in den Nationalrat notwendig sind.

Vor dem Hintergrund, dass hierzulande eine knappe Million Menschen gar nicht wählen darf, weil sie keinen österreichischen Pass besitzt, ruft eine überparteiliche Initiative rund um das interkulturelle Magazin biber nun alle Österreicher mit Migrationshintergrund auf, von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen. Dazu unterstützt den Aufruf "Ich bin Österreicher. Ich geh' wählen" ein Promi-Komitee - unter anderen mit dabei: Rapper Nazar, der Schauspieler Mike Galeli und Kickboxer Fadi Merza.

"Ganz andere Dinge"

Die Gründe, warum auch viele dieser Staatsbürger nicht unbedingt begeistert zur Wahl schreiten, sind freilich genauso vielfältig wie bei den Eingeborenen: "Manche machen sich einfach einen schönen Tag - und gehen lieber grillen statt wählen", weiß Galeli, der türkische Wurzeln hat. Andere wiederum seien nach wie vor mehr an der Politik in ihrem Herkunftsland interessiert - "weil sich dort ganz andere Dinge abspielen", erklärt Nazar, der in Teheran geboren ist und nur verrät, dass er seine Stimme sicher nicht der FPÖ schenken wird.

Nicht ganz einig war man sich bei der Präsentation der Initiative am Freitag, ob auch Ausländer, die in Österreich leben, die Möglichkeit zur Wahl haben sollten. Erst vor kurzem hat SOS-Mitmensch wieder darauf hingewiesen, dass der Zugang zu Staatsbürgerschaft und Wahlrecht hierzulande im europäischen Vergleich sehr restriktiv geregelt ist. ORF-Wettermoderatorin Eser Akir-Akbaba findet es unfair, dass ihr Bruder, der seit gut 40 Jahren hier lebt und seine Steuern zahlt, politisch nicht mitbestimmen darf. Galeli hingegen bevorzugt, dass nur jene wählen, die auch Staatsbürger sind. (Nina Weißensteiner, DER STANDARD, 31.8.2013)