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Mit Nokia wird für Microsoft die Komplexität des Unternehmens zunehmen

Foto: Reuters

Wer die Tech-Branche beobachtet, wird zwischen Microsoft und Apple gewisse Ähnlichkeiten feststellen. Was Microsoft im Moment durchmacht und die Kämpfe, die es am Smartphonemarkt auszutragen hat, erinnern stark an ein Apple in den 90er Jahren. Zwar ging es damals nicht um Smartphones, doch musste Apple sich in Sachen Computern gefallen lassen, dass Microsoft den Markt dominierte. Nun ist es umgekehrt – mit den großen Spielern Apple und Google als Marktführer.

Komplexitätsfaktoren

Microsoft erhofft sich durch den Kauf von Nokia, einen eigenen Hardwarehersteller unter dem Dach zu haben und eine ähnliche Auferstehung zu erleben wie Apple. Was vernünftig klingen mag, führt aber in erster Linie zu Komplexität. Während das Unternehmen sich erst vor kurzem zum  Ziel gesetzt hat, die internen Strukturen neu zu organisieren, kommt nun ein weiterer Komplexitätsfaktor dazu: Das Management eines Hardwareherstellers, das sich massiv von dem eines Softwarelieferanten unterscheidet. Zusätzlich befindet sich Nokia auch noch auf einem anderen Kontinent, was die Verwaltung des Supply Managements nicht unbedingt vereinfacht.

Zu spät

Für Microsoft könnte der Versuch, nun Hard- und Software in einem Haus zu entwickeln, allerdings viel zu spät kommen. Der ehemalige Microsoft-Manager Brad Silverberg meint gegenüber der "New York Times" beispielsweise, dass Microsoft einfach ein dynamisches App- und Services-Ökosystem fehle. Das Herz der Entwickler hätten Google und Apple gewonnen. Zwar werden Nokias und Microsofts Produkte immer wieder gelobt, ihr Ankommen am Markt erfolge jedoch für viele zu spät.

Finanzielle Kraft nutzen

Microsoft steht im Moment unter massivem Druck. Es wird erwartet, dass sich das Unternehmen neu erfindet. Es muss sich neu erfinden, denn die PC-Verkaufszahlen sprechen eindeutig dafür. Und mit den sinkenden Verkaufszahlen von PCs könnte auch Microsofts Kerngeschäft mit Windows und Office irgendwann einbrechen. Den Redmondern geht es noch gut – zumindest finanziell. Diese finanzielle Kraft könnte Microsoft nun nutzen, um die Entwicklung von Windows Phone auf Software- als auch auf Hardware-Ebene voranzutreiben.

Feature Phones

Im Moment ist Nokia noch der zweitgrößte Handyhersteller der Welt, sofern man Feature Phones miteinbezieht. Aufgrund der Marktdominanz von Samsung und der Verbreitung von chinesischen Billig-Handys könnte sich aber auch das schnell ändern. Microsoft wird sich also auch überlegen müssen, wie man mit Verlusten im Feature-Phone-Sektor umgeht und neue Smartphone-Märkte wie Indien erobern müssen. Wie sich das entwickeln wird, wird sich erst nach einiger Zeit zeigen.  Zunächst wird es vermutlich etwas dauern, bis Nokia sich in Microsoft eingefügt hat. (red, derStandard.at, 4.9.2013)