Seit Jahren geben sich eigentliche Banken, die berüchtigten Schattenbanken, als etwas aus, das sie gar nicht sind. Um das zu verstehen, muss man kein Experte sein. Wenn man den Film "Ein Schweinchen namens Babe" gesehen hat, reicht das schon als Anschauungsmaterial.

Das junge Schweinchen Babe kommt neu auf einen Bauernhof und will sich dort behaupten. Ganz besonders bewundert Babe die Hirtenhunde, die auf die Schafe am Hof aufpassen. Um Anerkennung bei den Hirtenhunden kämpfend, läuft Babe zu einer Schafherde und gibt sich dort als einer von ihnen aus. "Mäh Schaf mäh, zu deiner Rasse, deiner Herde steh, mäh Schaf mäh." Und siehe da, nach langem Bemühen akzeptieren die Schafe Babe als Hirtenhund.

Filmausschnitt aus "Ein Schweinchen namens Babe"

So ähnlich haben das in den vergangenen Jahrzehnten auch die Schattenbanken gemacht. Diese tun eigentlich dasselbe wie Banken, nur werden sie nicht reguliert wie Banken.

Darunter fallen etwa Hedgefonds, die Geld von Anlegern sammeln und es dann investieren. Mit dabei sind aber auch Pfandhäuser, bei denen man gegen Vorlage etwa einer teuren Uhr oder eines wertvollen Gemäldes kurzfristig Kredit bekommt. Oft ist das die letzte Alternative für Menschen, die Zinsen sind freilich viel höher als normal.

Schattenbanken und die Politik

Übertragen auf unsere Geschichte heißt das also: Die Schattenbanken, in der Geschichte eigentlich die Schweinchen, laufen seit Jahren als Hirtenhunde herum. Die Schafe, das wären dann die Politiker, wissen eigentlich, dass das rosa Tier vor ihnen kein Hund ist, laufen aber trotzdem panisch davon, wenn es grunzt.

Schattenbanken verwalteten im Jahr 2011 weltweit um die 51 Billionen Euro, schätzt das Financial Stability Board. Das sei ein Viertel des weltweiten Kapitalmarktes. 2002 waren es noch 21 Billionen. Schattenbanken borgen Firmen Geld, kaufen Anleihen, Anteile von Unternehmen oder auch gleich das ganze Unternehmen. Die marode Bawag wurde 2007 etwa von einem angeblichen Hirtenhund aufgekauft. Der US-Fonds Cerberus hält seitdem die Mehrheit am Unternehmen. Cerberus ist in der griechischen Mythologie auch noch ein Höllenhund, der das Tor zur Unterwelt bewacht. Aber das nur nebenbei.

Die Gesetzeslage auf unserem Bauernhof ist so: Die Schweine müssen Teile ihres Futters liegen lassen für schlechtere Zeiten. Außerdem müssen sie dem Bauern immer wieder Bericht erstatten, was so bei ihnen los ist. Die Schweine sind immerhin sehr wichtig für den Hof. Die Hunde können aber den ganzen Tag machen, was sie wollen. Genau so läuft es derzeit auch in der Finanzwelt. Banken müssen Eigenkapitalvorschriften einhalten, mit Behörden in Kontankt stehen und auch sonst viele verschiedene Auflagen erfüllen. Schattenbanken müssen das kaum. Sie sind in den letzten Jahrzehnten aus dem Boden geschossen und von der Politik bisher wenig bis gar nicht angefasst worden.

Druck von oben

Von den Regierungen kommt jetzt Druck. Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel sagt in einer Videobotschaft auf Youtube: "Hier stockt es noch mit der Regulierung." Dem Engagement wird aber nicht nur applaudiert. "Das halte ich für Wahlkampfgerede. Das Zentrum der Krise waren doch die Banken", sagt etwa Horst Löchel von der Frankfurt School of Finance im Gespräch mit derStandard.at. Merkel will auf dem G-20-Gipfel in Moskau Ende der Woche einen verbindlichen Zeitplan aufstellen.

Auch die EU-Kommission drückt auf das Gas: Geldmarktfonds, von denen sich Banken oft kurzfristig Geld borgen, sollen bestimmte Auflagen erfüllen müssen, sagte Binnenmarktkommissar Michel Barnier am Mittwoch bei einer Pressekonferenz. Volkswirtschafts-Professor Löchel kann sich Regulierungen vorstellen, sieht aber Europa nicht von den Schattenbanken bedroht. "Man kann etwas verbessern, Schattenbanken sind aber vor allem in China ein Problem." In der Regel seien Anleger etwa von Hedgefonds aber reiche Investoren, "die das Risiko selber tragen müssen". Banken könnte man allerdings zum Beispiel verbieten, mit Hedgefonds zu arbeiten, sagt Löchel.

Bis dahin treiben die Schweinchen die Schafe weiter munter vor sich her. (Andreas Sator, derStandard.at, 4.9.2013)