Madrid/Granada - Wer in Spanien 13 Jahre alt ist, darf laut Gesetzgebung bereits Sex haben. Das soll sich nun ändern. Weil sich selbst die Uno seit 2007 sehr kritisch über das niedrige Mindestalter äußert, fügt die konservative Regierung nun drei Jahre hinzu. Auch das Mindestalter für die Ehe wird von 14 auf 16 Jahre angehoben.

Die Mehrheit der EU-Staaten hat das Mindestalter für sexuelle Handlungen zwischen 14 und 16 Jahren festgelegt. Nur das katholische Irland hat mit 17 Jahren das Schutzalter noch höher angesetzt.

Missbrauch bei Beteiligung 15-Jähriger

Selbst wenn der Kontakt in beiderseitigem Einverständnis stattfindet, droht in Spanien künftig eine Verurteilung wegen sexuellen Missbrauchs, wenn jemand unter 16 Jahren alt ist. Das Strafmaß beträgt zwischen zwei und sechs Jahren und bis zu zwölf, wenn es zum Geschlechtsverkehr gekommen ist.

Für Aufsehen sorgte vor einem Jahr der Fall eines 39-Jährigen, der seine 13-jährige Ex-Freundin ermordete: ein extremes Beispiel für die Machokultur, die auch vor Jüngeren nicht haltmacht.

Ungleichheit bestrafen, nicht Liebe

Richter dürfen nur milde walten, "wenn der Altersunterschied gering ist" , oder "der Grad der Reife beider Partner ähnlich ist". Konkretisiert wird dies im Gesetzesentwurf nicht weiter, was von der spanischen Kinderschutzorganisation Save the Children begrüßt wird. "Es muss von Fall zu Fall beurteilt werden", sagt Sprecherin Almudena Escorial. "Es bedarf ausreichender Flexibilität, sodass nicht Liebesbeziehungen bestraft werden, sondern jene, wo Ungleichheit herrscht."

Man wolle "vor Missbrauch schützen, aber keinesfalls annähernd Gleichaltrige strafen", betont das Madrider Gesundheitsministerium, das sich gegen das vom Justizministerium geforderte Mindestalter von 15 Jahren durchgesetzt hat.

Die Präsidentin des Richterinnenverbandes, Ángela Cerrillos, lobt zwar die Reform, kritisiert aber die Widersprüche in den Gesetzen: Strafmündig ist man in Spanien schon mit 14 Jahren, Sex haben darf man ab jetzt mit 16, Abtreiben aber wiederum erst mit 18 Jahren. (jam, DER STANDARD, 6.9.2013)