Der iranische Präsident gratuliert den Juden zu den Feiertagen, der Außenminister verurteilt das "Nazi-Massaker"  an den Juden: Gibt es sonst noch etwas Neues? Im Ernst: Die Aufregung darüber sagt ebenso viel über Missverständnisse im Westen aus wie über den Iran.

Denn sowohl Hassan Rohanis als auch Mohammed Javad Zarifs Standpunkt sind eigentlich iranischer Standard: Wir haben nichts gegen das Judentum, nur gegen die – säkulare – zionistische Ideologie. Wir leugnen nicht, dass den Juden vom – säkularen – Nazi-Regime Schlimmes widerfahren ist. Mit den Verfolgten bangte 2007 die gesamte Fernsehnation: Die Saga vom iranischen Diplomaten, der die Jüdin Sara liebt und im besetzten Paris Juden rettet, indem er ihnen Pässe ausstellt, lief im staatlichen TV.

Zarifs Klarstellung zur Leugnung des Holocausts durch Expräsident Mahmud Ahmadi-Nejad heißt auch nicht, dass er – oder der Iran – die im Westen akzeptierte Absolutstellung des Holocaust in der Menschheitsgeschichte unterschreibt: Er vergisst nicht, parallel dazu auf die "israelischen Massaker"  an den Palästinensern hinzuweisen.

Also alles unwichtig? Nein, ist es nicht. Es ist ein Stilwechsel nach außen – und ein Signal an jene Kräfte in der iranischen Politik, die ihrem antizionistischen Repertoire das antisemitische hinzugesellt haben. Die iranische Außenpolitik wird professionalisiert. Hoffentlich überlebt dieser neue Ansatz einen US-Militärschlag in Syrien. (DER STANDARD, 7.9.2013)