Nachdem der Tiroler Norbert Gstrein 2010 in Die ganze Wahrheit die Wickel in seinem früheren Verlag Suhrkamp thematisierte, hat er mit dem im Sommer erschienenen Roman Eine Ahnung vom Anfang (Hanser-Verlag) einen Heimatroman vorgelegt, der vor allem eines nicht sein will: ein Antiheimatroman. Eine zentrale Rolle spielen Ereignisse, die zehn Jahre zurückliegen und an Mark Twains Huckleberry Finn erinnern. Icherzähler Anton, Lehrer im Kleinstadtgymnasium, hatte damals einen Sommer mit zwei Schülern sowie der von beiden angehimmelten Klassenkameradin in einem einsamen Haus am Fluss verbracht. Im Mittelpunkt steht auch die Literatur - und was bzw. ob man daraus etwas fürs Leben lernen kann. Nachdem sich zuvor bereits der Bruder des Lehrers an diesem Ort umgebracht hatte - sind etwa die Existenzialisten daran schuld? - empfiehlt Anton deren Bücher auch Lieblingsschüler Daniel. Die Erinnerungen an jene Sommeridylle kommen wieder hoch, als am Bahnhof des Provinznests eine Bombe gefunden wird, daneben ein Zettel mit den Worten "Kehret um!".

Der Autor liest - u. a. in seiner Geburtsgemeinde Mils - und diskutiert das Buch, das auch Reflexion von Heimat und Exil und der verhängnisvollen Sehnsucht nach Unschuld und Reinheit ist. (dog, DER STANDARD, 10.9.2013)