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Am Freitag bejubelte Robbie Keane sein 60. Goal für Irland. Dass die Schweden am Ende 2:1 gewinnen sollten, wusste er da noch nicht.

Foto: Reuters/Roddis

Wien - Der wunderbare Giovanni Trapattoni ist am Montagnachmittag im Happel-Stadion aufgetreten. Vor dem Abschlusstraining stellte sich der 74-Jährige der Journaille, zur Verstärkung hatte er Kapitän Robbie Keane mitgenommen. Der spricht nämlich fließend Englisch, was für einen in Dublin geborenen Iren nicht untypisch ist. Dafür hat Trapattoni im Italienischen klare Vorteile.

Der 33-jährige Keane ist ein Nationalheld, ein Superstar, ein irischer Zlatan Ibrahimovic. In 128 Länderspielen hat er 60 Tore erzielt, der gesamte österreichische Kader bringt es auf 57. Das 2:2 in Dublin musste er verletzungsbedingt auslassen, nun ist er fit wie ein Fußballschuh. "Es ist eine sehr, sehr bedeutende Partie", sagte Keane. "Man zieht jedes Mal ein neues Leiberl an, und es beginnt immer von vorn."

Koller erkennt die Gefahr

ÖFB-Teamchef Marcel Koller nahm diese Einschätzung ein paar Stunden davor vollinhaltlich vorweg und sagte über Keane: "Ein unglaublicher Fußballer mit einer unglaublichen Karriere. Er ist nach wie vor heiß, gibt nie auf, hat immer die Hoffnung, dass ihm der Ball vor die Füße fällt. Er braucht von unserer Seite her die größte Aufmerksamkeit."

Die Stimmung im österreichischen Lager ist vor dem Duell mit den Grünen (Dienstag 20.45 Uhr, ORF 1) positiv angespannt. Zur Zuversicht gibt es angesichts der Tabellensituation keine Alternative. Das 0:3 vom Freitag in München gegen Deutschland wurde offiziell verdrängt und verarbeitet, vielleicht hat es niemals stattgefunden. Irland ist die Nummer 44 der Rangliste, liegt elf Plätze vor der ÖFB-Auswahl. Koller misst dem maximal eine geringe Bedeutung zu. "Irland hat gute Fußballer, die extrem gut in Luft- und Zweikämpfen sind. Wir müssen die Duelle annehmen und uns durchsetzen. Wir sollten Fußball spielen und einen Dreier holen." Um die Chance auf die WM in Brasilien zu wahren, müsste allerdings auch Irland gewinnen. Es liegt ein klassischer Interessenkonflikt vor.

Luftzufuhr

Personalien hat Koller traditionell nicht verraten, Trapattoni soll die Aufstellung und die Taktik nicht lesen, sondern am Dienstag spüren. Julian Baumgartlinger, in München gesperrt gewesen, wird der Startformation angehören. Das gebrochene Nasenbein von Veli Kavlak dürfte kein Hinderungsgrund sein, die Luftzufuhr funktioniert prächtig. Ob Kavlak eine Gesichtsmaske trägt, wird kurzfristig entschieden. David Alaba könnte eine offensive Rolle übernehmen, er kann ja prinzipiell alles, nur Goalie Robert Almer hat vom Bayern-Legionär nichts zu befürchten. Andreas Ivanschitz droht die Ersatzbank. Marc Janko wird wohl den Joker mimen.

Kapitän Christian Fuchs sagte, dass er seine Leistung gegen Deutschland durchaus "selbstkritisch" gesehen habe. "Aber warum soll ich mir den Kopf zerbrechen? Es geht ja weiter. Wir werden gegen Irland alles probieren, wir sind Druck gewöhnt, ich glaube fest an den Sieg." Hilfreich, möglicherweise ausschlaggebend könnte, so Fuchs, das Publikum, der zwölfte Mann sein. Das Happel-Stadion ist ausverkauft, das Verhältnis Österreich gegen Irland lautet 47.500 zu 1000.

Abschiedsgerüchte um Trap

Aber Irland hat Keane. 1998 debütierte er im Team. Auf seiner Visitenkarte stehen Adressen wie Wolverhampton, Inter Mailand, Tottenham (236 Spiele, 91 Tore), Liverpool und Celtic Glasgow. Seit 2011 kickt er in den USA für LA Galaxy, Keane hat zwei Meistertitel zu verantworten. "Ich fühle mich überhaupt nicht so, als ob das Ende meiner Karriere naht. Je älter ich werde, desto größer wird mein Erfolgshunger. Ich gehe erst, wenn ich keine Tore schieße."

Sollte Irland in Wien verlieren, könnte dies Trapattoni den Job kosten. Als Nachfolger wird Martin O'Neill gehandelt. Trapattoni ging darauf natürlich nicht ein. Er gab stattdessen die elf Namen preis, die es gegen Österreich richten sollen. Im Vergleich zum 1:2 gegen Schweden nimmt der Italiener zwei Änderungen vor: Paul Green ersetzt den verletzten Glenn Whelan im zentralen Mittelfeld, für James McClean rückt Anthony Pilkington in die Startformation.

Trap: "Es wird für beide Teams schwierig. Man muss positiv denken." Er wechselte spontan die Sprache, radebrechte auf Deutsch: "Österreich hat große Spieler." Robbie Keane saß daneben und verstand nichts. Er bleibt auf jeden Fall. (Christian Hackl, DER STANDARD, 10.9.2013, online ergänzt)

WM-Qualifikation, Dienstag

Österreich - Irland
Ernst-Happel-Stadion, 20.45 Uhr/live ORF eins, SR Benquerenca (POR)

Österreich: Almer (Cottbus/10) - Garics (Bologna/35/2), Dragovic (Dynamo Kiew/23), Pogatetz (Nürnberg/58/2), Fuchs (Schalke/56/1) - Baumgartlinger (Mainz/28), Alaba (Bayern München/27/4) - Harnik (Stuttgart/38/9), Kavlak (Besiktas/26/1) oder Ivanschitz (Levante/63/11), Arnautovic (Stoke City/29/7) - Weimann (Aston Villa/8)

Ersatz: Lindner (Austria/4), Özcan (Ingolstadt/1) - Klein (Salzburg/15), Prödl (Werder Bremen/41/3), Ortlechner (Austria/8), Suttner (Austria/8), Burgstaller (Rapid/6), Leitgeb (Salzburg/33), Hosiner (Austria/4/2), Janko (Trabzonspor/34/15), Sabitzer (Rapid/2)

Es fehlt: Junuzovic (Knöchelverletzung)

Fraglich: Kavlak (Nasenbeinbruch)

Irland: Forde - Coleman, Dunne, O'Shea, Wilson - Walters, Green, McCarthy, Pilkington - Keane, Long

Die weiteren Dienstag-Spiele: Färöer - Deutschland (20.45 Uhr MESZ/live ARD), Kasachstan - Schweden (18.00 Uhr MESZ/live ATV2)