Auf die Endverbraucher und echten Fans ist Verlass: Das Publikum im Modezelt vor dem Museumsquartier ist stets sicherer Indikator für das, was sich am Laufsteg abspielen wird. Ein besonders überzeugendes Beispiel dafür ist Lederwarenspezialist Tiberius. Den gibt es bereits seit Anfang der 90er Jahre, es ist also eines sicher: Um es als Modelabel in Wien bis heute durchzuhalten, muss dem Gründer Karl Ammerer eine besonders eingefleischte Fangemeinde die Stange halten. Und das muss man erst einmal hinbekommen.

Vor Ort ist dann irgendwie auch schon vor der Show alles aus einem Guss. Im Vorraum, der Wartehalle der Modewoche, stehen sich die Nietentaschen die Beine in den Bauch. Der Leopardenschal wird lässig zum Einstecktuch kombiniert, ein Beauty Doc wartet auf Einlass, zur Stärkung gibt es da und dort einen großen Schluck aus der Red-Bull-Dose: Die Temperaturen im Zelt, die muss man ja erst mal aushalten.

Foto: Thomas Lerch

Auf dem Laufsteg ein ähnlich stimmiges Bild. Schwarze Lederhosen für die Männer, gut sitzende Bleistiftröcke für Frauen, am besten ist der Designer Marcos Valenzuela dann, wenn es um die ledrige Grundausstattung ohne großes Chi Chi geht. Dem ausladenden ersten Kleid in Schwarz mit eleganter Rückenschnürung, den transparenten Oberteilen mit Schleppe und den freigelegten Männeroberkörpern stehlen dann aber zuletzt doch die Schlapphüte, die den Models übergezogen wurden, die Show.

Denn Napoleon, ja, richtig, der kleine Mann mit dem Zweispitz, hat den Designer zu den abenteuerlichen Kopfbedeckungen aus Filz und Leder inspiriert. Das ist völlig unnötig, aber was solls. Tiberius weiß die Fans aus der Reserve zu locken und die scheinen einen Hang zur großen Geste zu haben: Die Hütte bebt, Standing Ovations für den Designer Marcos Valenzuela. (Anne Feldkamp, derStandard.at, 12.9.2013)

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