Zeit, die in den Fluss tropft: Schaltstelle von Richard Schwarz' Innsbrucker Installation.

Foto: Richard Schwarz

Innsbruck - Schwarze Farbtropfen gleiten in den Inn und bilden zu jeder vollen Minute auf der Wasseroberfläche die aktuelle Zeit in Punkten ab. Eine hochpräzise Apparatur - bestehend aus Tanks mit Wasser und Lebensmittelfarbe, 13 Pumpen, die die Tropfen erzeugen, und Solarmodulen, die die Schaltungsteile und Elektronik antreiben - macht aus der Karwendelbrücke in Innsbruck eine Schaltstelle für die Installation Zeitfluss. Zusehen, wie die Zeit verrinnt.

Pro Tag tropfen so rund 70 Gramm Lebensmittelfarbe - es handelt sich um "Brillantschwarz, E151", das auch für das Einfärben von Marzipan oder Kaviar verwendet wird - in den Inn, wo die Zeit für einen Moment präsent ist, um sich gleich darauf aufzulösen. Der Verlust von Zeit als Thema hat auch die Jury des Landes Tirol überzeugt. Wurde doch diese temporäre Installation von der Jury der Förderaktion für Kunst im öffentlichen Raum 2011 ausgewählt.

Richard Schwarz (1984 in Wörgl geboren), der an der Universität für angewandte Kunst in Wien Art & Science studiert hat, setzt sprichwörtlich das in unseren Breitengraden ausgeprägte "Verrinnen von Zeit" um. Gegen den schnellen Strom des Flusses setzt er ein sich auflösendes Zeitmoment. Das aber umso deutlicher macht, dass Menschen so sehr an Termine und eine Zeitdisziplin angepasst sind, dass sie ständig unter Zeitnot leiden, sagt Schwarz. Und da die Zeit ständig abhandenkommt, versucht er ihr in künstlerischen Situationen einen sichtbaren Wert zurückzugeben.   (Tereza Kotyk, DER STANDARD, 13.9.2013)