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Das Hauptquartier in Sofia des bulgarischen Pensionsfonds Doverie. Die Vienna Insurance Group hat Probleme, den Fonds zu verkaufen.

Foto: Reuters/Stringer

Sofia/Wien Die Chefin des bulgarischen Pensionsfonds Doverie (Vertrauen), Daniela Petkowa, zeigt sich nach dem Verkauf durch die Vienna Insurance Group (VIG) im Unklaren über die künftige Organisation des Fonds. Die VIG hat ihren Anteil von 92,58 % am größten privaten Pensionsfonds im Balkanland für kolportierte 150 Millionen Euro an eine in England registrierte Briefkastenfirma verkauft. Petkowa bestätigte im Gespräch mit dem Standard, dass sie und der Vorstand von Doverie nach dem umstrittenen Verkauf zurückgetreten seien, mit der VIG dann aber vereinbart hätten, bis zur Abwicklung des Verkaufs im Amt zu bleiben. „Nicht mehr. Wir wollen keine Probleme machen“, sagte Petkowa.

Russischer Banker

Der neue Eigentümer, die United Capital (UC), an der Sergej Mastjugin, ein russischer Banker, nun einen Mehrheitsanteil hält, hat seit dem im vergangenen Juli bekannt gegebenen Kauf noch keinen Antrag auf Genehmigung bei der bulgarischen Finanzaufsicht eingereicht. Das nährt in Bulgarien Zweifel an der Seriösität des neuen Investors. Es könnte auch die „russische Mafia“ hinter dem Käufer stecken, warnte Bulgariens Staatspräsident Rossen Plewneliew. Vier Tage vor dem Kaufgeschäft in Wien kamen neue Manager an Bord: der Wiener Steuerberater Heinz Russwurm zum Beispiel, unter anderem auch Geschäftsführer der Filmfirma H-Medienverwaltungs GmbH, die ehemalige Hofpower. Er ist wie im Firmencompass ersichtlich Geschäftsführer, Gesellscahfter und Vorstand zahlreicher Unternehmen. Es war für den Standard bisher nicht möglich, Kontakt mit Russwurm aufzunehmen. Bei der Firma AOP Orphan Pharmaceuticals ist Russwurm u.a. Aufsichtsrat. Da er kein Mitarbeiter sei, dürfe man auch die E-Mailadresse nicht bekannt geben, hieß es auf Anfrage. Mit dem neuen UC-Eigentümer Sergej Mastjugin ist Russwurm jedenfalls bekannt: Gemeinsam sind sie an der Bau- und Liegenschaftsverwaltung in Markt Pisting (Niederösterreich) beteiligt. Ein Prozent hält Regant Capital aus Bulgarien.

Neuer Manager

UC gab Ende August eine Neuorganisation seiner Struktur an, derzufolge Mastjugin nun seine jüngst erworbene Beteiligung an Lighthouse Capital in das Unternehmen eingliedert. Lighthouse Capital wird als eine Investgesellschaft präsentiert, die große Erfahrung im Versicherungsgeschäft in Osteuropa hat. Mastjugin bemüht sich derzeit auch um weitere Investoren, heißt es, habe mit der Leitung von UC aber einen neuen Manager beauftragt: Magomed Alikhanow, einem früheren Leiter bei Zurich Financial Services in Moskau. Sie habe davon auch nur gelesen, sagte Doverie-Chefin Petkowa. In den Büros des Pensionsfonds sei Alikhanow noch nicht gesehen worden.

Der Verkauf des Pensionsfonds an eine Briefkastenfirma, die keine Webseite hat, nicht an der Börse notiert ist und zeitweise als „ruhend“ geführt wurde, gilt wegen der Armut im EU-Land Bulgarien als besonders sensibel. Um den Kauf mühten sich auch der bulgarische Industrielle Ognijan Donew und der bulgarische Banker Tswetan Wassilew. Doverie hat 1,25 Millionen Beitragszahler.

Zweifel an der Genehmigung

Der Chef der Finanzaufsicht in Sofia, Stojan Mawrodiew, meldete Zweifel an einer Genehmigung für UC zur Führung des Pensionsfonds an. Ohne Antragspapiere des neuen Besitzers könne die Finanzaufsicht aber keine Untersuchungen anstellen, erklärte er im Gespräch mit dem Standard. Mawrodiew kritisierte auch die Führung von Doverie. In den zurückliegenden Monaten habe das Management von Doverie „verdächtig koordiniert“ mit der Mediengruppe des Economedia-Verlags in Sofia gegen die Interessen der Anteilseigner des Pensionsfonds agiert – die VIG – ebenso wie gegen die Beitragszahler und den gesamten privaten Pensionssektor, behauptete Mawrodiew. Er bezog sich dabei auf Angriffe in den Medien gegen die von ihm geführte Finanzaufsicht.

 Der Verleger und Industrielle Iwo Prokopiew wies die Anschuldigungen zurück. Mawrodiew missbrauche die Macht der von ihm geführten Aufsichtsbehörde, heißt es in einer Stellungnahme Prokopiews an den Standard. Mawrodiew wolle Fakten zu vertuschen, die vom Economedia-Verlag dargestellt wurden und die unter anderem einen Geldwäscheskandal während dessen früherer beruflicher Tätigkeit beträfen. (Markus Bernath, Claudia Ruff, derStandard.at, 13.9.2013)