Wien - Der Immobilienfonds MPC Holland 43 ist nahe der Illiquidität. Um eine Insolvenz des in Österreich und Deutschland aufgelegten Fonds zu vermeiden, ist dringend zusätzliches Kapital notwendig; Kapital, das das Emissionshaus MPC Münchmeyer Petersen Capital AG von den Anlegern haben will. Mittlerweile würden Investoren sogar Klagsdrohungen der deutschen Finanzierungsbank Sparkasse Köln Bonn bekommen, falls sie die bislang getätigten Ausschüttungen nicht zurückzahlen würden, sagt der Wiener Rechtsanwalt Sebastian Schumacher, der über 150 geschädigte Anleger von geschlossenen deutschen Fonds in Österreich vertritt.

Bereits im März dieses Jahres hatte MPC die Anleger des Fonds Holland 43, der in drei Büroobjekte in den Niederlanden investiert ist, zu freiwilligen Nachschüssen aufgefordert. Die Liquiditätsspritze blieb allerdings aus, woraufhin mittels Gesellschafterbeschluss eine Rückforderung sämtlicher bislang erfolgter Ausschüttungen abgesegnet wurde. Im Juli bekamen die Investoren erneut Post, diesmal von der Sparkasse Köln Bonn. In dem Schreiben, das dem Standard vorliegt, wurde den Anlegern angeboten, auf 15 Prozent der Rückzahlungen zu verzichten, sofern diese bis 30. August erfolge. Gleichzeitig wurde aber auch angekündigt, dass bei Nichtbezahlung eine Klage erfolgen werde.

VKI sieht Banken mitverantwortlich

Diffizil wird die Sache aufgrund des Umstandes, dass die Ausschüttungen vorwiegend aus der Liquidität und nicht aus dem Gewinn stammten. "Das entspricht einer Einlagenrückgewähr, und damit hätten die Gläubiger tatsächlich das Recht, alle erfolgten Ausschüttungen rückzufordern", so Schumacher, der nun die Vertriebsbanken in die Pflicht nimmt: "Für einen Laien war es nicht verständlich, woher die Ausschüttungen stammten, aber Banken hätten dies wissen und die Anleger entsprechend aufklären müssen." Wurde eine ordnungsgemäße Aufklärung unterlassen, so würden Anlegern Schadenersatzansprüche gegenüber der Bank zustehen.

Auch der Verein für Konsumenteninformation sieht die Banken mitverantwortlich: "Viele Anleger wurden von den österreichischen Vermittlerbanken seinerzeit beim Erwerb der Fondsbeteiligung falsch oder unzureichend über Risiko und Charakter der Veranlagung aufgeklärt." Weiters kündigt er musterhafte Schadenersatzprozesse gegen ausgewählte Banken an.

Banken weisen Vorwürfe zurück

MPC sowie die Raiffeisenbank Niederösterreich-Wien und die Erste Bank, die als Vertriebsbanken des Fonds agierten, weisen die Vorwürfe von sich und betonen, bei der Beratung immer auf die Risiken hingewiesen zu haben. "Grundsätzlich handelt es sich bei den geschlossenen Fonds um ein Produkt, das durchwegs risikogeübten Kunden, also vermögenden Privatkunden, als Beimischung angeboten wurde.

Die Veranlagung in geschlossene Beteiligungen machte im Normalfall etwa zehn Prozent der Gesamtveranlagung aus", so Michaela Stefan, Sprecherin der Raiffeisenbank Niederösterreich-Wien. Auch die Erste Bank verweist darauf, dass der Fonds nur als Beimischung des Gesamtvermögens empfohlen wurde. Die BKS, ebenfalls Vertriebspartner des Fonds, war zu keiner Stellungnahme bereit.

In Österreich ist der Vertrieb von geschlossenen Fonds an Kleinanleger übrigens seit 22. Juli verboten. Für Investoren im Hollandfonds 43 kommt dies allerdings zu spät: Sie stehen vor einem Totalverlust der bislang erzielten Rendite sowie bei Insolvenz des Fonds auch des gesamten eingezahlten Kapitals. (Birgit Tisch, DER STANDARD, 14.9.2013)