"Das ist ja mal ein origineller Vorschlag", leitet ORF-Anchorman Armin Wolf auf Facebook seine Reaktion gegen die Überlegungen von VP-Klubchef Karlheinz Kopf im STANDARD-Interview ein. Kopf findet, es brauche (gesetzliche) Regelungen für Äußerungen von ORF-Redakteuren im Web, insbesondere auf Twitter oder Facebook. "Auf die Idee muss man erst einmal kommen", schreibt Wolf: Man "würde meinen, dass der Klubchef einer Regierungspartei weiß, dass das, was er da vorschlägt, geradezu absurd verfassungswidrig wäre."

"Manchmal ist es schwierig, keine Satire zu schreiben", seufzt Wolf auf Facebook und tut das gleich: "Dabei bleibt Kopf doch erstaunlich inkonsequent. Völlig ungeregelt bliebe ja dann immer noch, was wir ORFler so in der Kantine bereden, im Freundeskreis oder mit unseren Partnern. Und dringend gesetzlich vorschreiben müsste man natürlich auch, dass ORF-MitarbeiterInnen bei Wahlen ihre Stimme ausgewogen und unparteiisch zu vergeben haben, also entweder weiß wählen oder bei jeder Wahl nachweislich eine andere Partei."

"Bemühe mich, nichts Dummes zu tun"

Wolf betont: "Das ORF-Gesetz kann nur regeln, was der ORF tut und was wir im ORF tun." Und er erinnert, dass es für ORF-Journalisten bereits Regulative gibt, wie sie außerhalb des ORF auftreten - insbesondere Social Media Guidelines. Die schreiben, wie jene der BBC, zu allererst vor, "nichts Dummes" zu tun.

Er schreibe auf Facebook und  Twitter "nichts, was ich nicht auch in einem Interview, auf einer Podiumsdiskussion oder einer anderen öffentlichen Veranstaltung sagen würde. Auch dort ist mir bewusst, dass viele Menschen wissen, wo ich arbeite." Also nie öffentlich, was er wähle, er gehe nicht auf politische Demos, unterschreibe keine Volksbegehren, gehe nur zu Parteiveranstaltungen, um darüber zu berichten. "Und aus den politischen Jugendorganisationen, in denen ich mal engagiert war, bin ich mit 19 ausgetreten, als mir klar wurde, dass ich als ORF-Journalist arbeiten möchte. Weil ich persönlich finde, dass das nicht zusammengeht: parteipolitisches Engagement und Journalismus im öffentlich-rechtlichen Rundfunk."

Wolf über seine Twitter- oder Facebook-Äußerungen: "Wenn mir in der Politik was seltsam vorkommt, schreibe ich es mitunter, durchaus auch spöttisch, manchmal ein bisschen polemisch – aber jedenfalls ohne Rücksicht darauf, von welcher Partei es kommt. Sie haben keine Ahnung, was ich am 29. September wählen werde, Herr Kopf übrigens auch nicht. Ich bemühe mich, nichts Dummes zu tun. Auf Facebook, auf Twitter und auch in der Wahlzelle." (red, derStandard.at, 14.8.2013)