Ganz klar, die Modewoche in Wien hat ihre ganz eigenen Regeln. Wenn nun eine Designerin kommt, die kaum jemand hier kennt, tut sich das Publikum schwer.

Denn erstens gilt: Die Hütte ist dann voll, wenn lokale Glamourbedürfnisse befriedigt werden. Das hat wie besprochen bei Tiberius in etwa so gut wie bei Callisti funktioniert.
Zweitens, das bewies Bonnie Strange: Prominente und halbprominente Modemacher aus dem Ausland genießen Narrenfreiheit.
Und drittens: Abendroben und sexy Lederwaren funktionieren immer.

Nun war für Samstag, 20 Uhr – im Fernsehen ist das wahrscheinlich der beste Sendplatz – Franziska Michael aus Berlin angesagt. Aber was passiert? Für die Modewochen-Adabeis gilt scheinbar: Was man nicht kennt, muss man sich auch nicht antun.

Foto: Thomas Lerch

Die Besucher aus den oberen Rängen hat es gefreut: Sie durften in der ersten Reihe Platz nehmen. Dafür haben die lokalen Promis aber was verpasst.

Die Esmod-Absolventin zeigte ihre feine frische Sommerkollektion 2014, die sie vor wenigen Monaten auf der Berliner Modewoche als Stehperformance präsentiert hatte und die damit den Premium Young Designers Award für Womenswear der Premium-Messe einheimste.

Foto: Thomas Lerch

Was zu sehen war? Tenniskleidchen in Neonfarben, braune Psychedelic-Muster, Badeanzüge und Crop-Shirts, die den Bauch frei lassen. Dazu kombinierte die Designerin weiße aufgeraute Tennissocken, die gemeinhin als Geschmacklosigkeit gelten, in High Heels oder Crocs.

Das alles passte sich allerdings ziemlich gut in die minimalistische Versuchsanordnung ein. Die Reaktion auf die Kollektion in Wien: Verhalten. Beklatscht wird, man scheint da ganz im gewohnten Modus zu sein, ein langes Kleid mit neonfarbener Schnürung im Rücken. Das Zelt vor dem Wiener Museumsquartier ist eben eine Blase mit einem eigentümlichen Regelwerk. Verstehen muss man das nicht. (Anne Feldkamp, derStandard.at, 15.09.2013)

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