Moskau - Abertausende Menschen haben sich als Kandidaten für das Projekt "Mars One" gemeldet, das einen Flug zum Mars ohne Rückkehrmöglichkeit propagiert. Nach Angaben der Betreiber des privaten Projekts haben sich weltweit mehr als 200.000 Menschen als Koloniegründer in spe registrieren lassen. Und sogar ein alter Profi wie die russische Weltraum-Pionierin Walentina Tereschkowa könnte sich vorstellen, ihren Lebensabend auf dem Roten Planeten zu verbringen, hatte sie vor ihrem Wien-Besuch erklärt.

Deutliche Kritik

Tereschkowas Landsmann Sergej Krikaljow sieht das etwas anders: Für Russlands obersten Kosmonauten-Ausbilder ist das Projekt eine schwachsinnige Idee. Wenn jemand dies ernsthaft erwäge, sollte er sich in einer psychiatrischen Klinik behandeln lassen, sagte der Chef des Juri-Gagarin-Trainingszentrums. "Allein schon vom Gesichtspunkt der Sicherheit her wird kein Experte einen solchen Flug je erlauben", sagte Krikaljow.

Ähnlich reagierte Russlands dienstältester Kosmonaut Pawel Winogradow. "Raumfahrt sollte nützlich sein, aber in sein eigenes Ende zu fliegen scheint mir sinnlos", sagte der 60-Jährige. Eine Reise zum Roten Planeten und zurück gilt wegen der Flugzeit von insgesamt etwa 500 Tagen und der Strahlenbelastung, der die Raumfahrer augesetzt wären, als extrem riskant.

Experten schätzen, dass eine solche Mission frühestens 2025 als internationales Projekt starten könnte. Bei "Mars One" hat man indessen die Registrierung abgeschlossen, das Auswahlverfahren der Kandidaten soll nun etwa zwei Jahre dauern. Abgesehen von den technischen Herausforderungen steht allerdings auch die Finanzierung noch nicht. (APA/red, derStandard.at, 15. 9. 2013)