Sonntagnachmittag, letzter Kurzaufenthalt in der Wartehalle im Zelt vor dem Museumsquartier. Die Frau beim VIP-Eingang trägt ein T-Shirt mit der Aufschrift "Dirty Heels". Fast hat man sich in den letzten Tagen schon an so etwas gewöhnt. Doch bevor noch Wehmut aufkommt, den VIP-Gästen den Vortritt lassen und ab auf den Sitzplatz.

Denn auf dem Laufsteg gibt es heute wieder Kleider zu bestaunen, die in Wien seit Jahr und Tag ihren festen Platz haben: Abendroben für jeden Anlass. Eines muss man der Designerin Magdalena Adriane Toth nämlich lassen. Sie hält sich, was ihr 2009 gegründetes Label "Magdalena Adriane" angeht, sicher nicht mit Nebensächlichkeiten auf. Statt sich in banalen Alltagslooks für die Straße zu verzetteln, setzt sie ganz auf ein Pferd: Abend- und Cocktailkleider. Denn diese werden spätestens in der Ballsaison händeringend gesucht.

Foto: Thomas Lerch

Und so gleitet und stolziert nun eines nach dem anderen eine gute Viertelstunde lang durch die gut gefüllte Halle. Bei der Gestaltung der Modelle scheinen der Phantasie der Designerin keine Grenzen gesetzt: Ausschnittformen vorne oder hinten, freiliegende Schultern oder hoch geschlossen, Magdalena Toth ist die Frau für alle Fälle.

Foto: Thomas Lerch

Und unten rum? Flattert es meist duftig. Keine Frage, Frauen, die während der Ballsaison "Prinzessin" spielen wollen, können sich hier schon einmal ihr Lieblingsmodell aussuchen. Und wenn sie für den ganz großen Tag in ihrem Leben ein Kleid suchen, dann sind sie bei "Magdalena Adriane" auch nicht falsch. Sie fertigt in ihrem Atelier im 18. Bezirk nämlich auch Hochzeitskleider und für den Prinzen ist ebenfalls gesorgt. Konsequenterweise endet das Defilée dann auch mit zwei Brautensembles.

Die Models halten, das Gesamtbild soll schließlich stimmen, jeweils einen Strauß Rosen – überzogen mit weißem Tüll – in der Hand. Was mit dem passiert? Natürlich ab über die Schulter und rein ins Publikum. Einer landet übrigens in Reihe eins in den Händen einer Dame, die wohl nicht mehr heiraten will. Sie reicht das Rosenknäuel zwei Plätze weiter. Manchmal ist der richtige Moment eben noch nicht gekommen. (Anne Feldkamp, derStandard.at, 16.09.2013)

Foto: Thomas Lerch
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Alle Fotos: Thomas Lerch