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Den Kontakt zu Österreich wird Franz nicht verlieren: Einer seiner guten Freunde ist der Schweizer Matthias Hartmann, Chef des Wiener Burgtheaters.

Foto: reuters/orlowski ralph

Als Christoph Franz Anfang 2011 zum Chef der Lufthansa bestellt wurde, prophezeiten Insider, dass der 53-Jährige diesen Job nur eine Vorstands-Periode machen würde. Intern drängte bereits seit längerem Carsten Spohr, Chef des Passagiergeschäfts, nach. Der hölzern und steif wirkende Franz hatte es aber auch schwer, den charismatischen Österreicher Wolfgang Mayrhuber an der Spitze zu folgen.

Leben im Hotelzimmer

Nun wird Franz spätestens im Mai 2014, wenn sein Vertrag ausläuft, zum Schweizer Pharmariesen Roche wechseln und dort Chef des Verwaltungsrates werden. Eine Tätigkeit, die weniger nervenaufreibend, und gleichzeitig viel höher dotiert sein wird als der Lufthansa-Job. Franz' Vorgänger bei Roche erhält derzeit 8,6 Millionen Schweizer Franken im Jahr, fast sieben Millionen Euro.

Franz hat eine große Affinität zur Schweiz: Seit seiner Zeit als Swiss-Chef (das war er bevor er an die Lufthansa-Spitze kam) lebt er mit seiner französischen Frau und seinen fünf Kindern in Zürich. Auch als Lufthansa-Chef flog er mehrmals pro Woche von Frankfurt nach Zürich. In Frankfurt lebt er nur im Hotelzimmer.

Billig macht sauer

Der heimischen AUA setzte Franz mehrmals die Daumenschraube an, damit die schwer defizitäre Tochter endlich einmal in die Gewinnzone kommt. Fraglich, ob die Deutschen die AUA 2009 gekauft hätten, wenn Franz damals schon am Ruder gewesen wäre.

Das von Franz aufgelegte Sparprogramm sollte das Betriebsergebnis ab 2015 um 1,5 Milliarden Euro verbessern. Für seine Pläne bekam er nicht nur Beifall. Intern und auch bei Vielfliegern gibt es Kritik daran, dass viele Europastrecken künftig von der Lufthansa-Billigtochter Germanwings bedient werden.

Zweite Chance

Franz' Höhenflug im Lufthansa-Konzern bekam seinerzeit eine Delle, als er zur Deutschen Bahn wechselte, wo er zum Vorstand für den Personenverkehr avancierte. Seine Karriere in Berlin endete abrupt, als der damalige Konzernchef Hartmut Mehdorn ein "Bauernopfer" für das missratene Preissystem suchte und für den Rauswurf des Lufthansa-Aussteigers sorgte.

Nach dem bitteren Rückschlag fand er durch Mayrhuber in die Luftfahrt zurück. Der Ex-Lufthansa-Chef bot ihm an, sich als Sanierer bei der damals in Konkurs befindlichen Fluggesellschaft Swissair zu profilieren. Den Kraftakt meisterte Franz mit Bravour. Die Swiss, die inzwischen zur Lufthansa gehört, ist heute die Ertragsperle des Konzerns.

Swiss-Lenker gegen Nummer zwei

Erste Namen für die Franz-Nachfolge werden bereits gehandelt. Als ein Favorit gilt in Aufsichtsratskreisen der selbstbewusst auftretende Vorstandskollege Carsten Spohr. Der 46-jährige ist seit 1994 bei der Lufthansa und dort seit mehr als zwei Jahren für das Passagiergeschäft verantwortlich, also dem Bereich, der am härtesten von den Einschnitten betroffen ist. Hier hat er gemeinsam mit Franz viele zähe Verhandlungen mit den Gewerkschaften geführt.

Gute Karten hat auch sein Kollege Harry Hohmeister. Der 49-Jährige ist Chef der profitablen Tochter Swiss, die im vergangenen Jahr mehr als ein Drittel zum operativen Gewinn des Gesamtkonzerns beigetragen hat. Hohmeister wird dort ein guter Job bescheinigt – und er ist Chef des AUA-Aufsichtsrates.

Als dritter Name wird auch der Chef der Frachttochter Lufthansa Cargo, Karl Ulrich Garnadt, gehandelt. Der 56-Jährige ist ein Lufthansa-Eigengewächs. Garnadt machte 1979 seine Ausbildung zum Luftverkehrskaufmann im Konzern.

Apropos: Den Kontakt zu Österreich wird Franz nicht verlieren: Einer seiner guten Freunde ist der Deutsche Matthias Hartmann, Chef des Wiener Burgtheaters. (Claudia Ruff, derStandard.at, 16.9.2013)