Für die Lufthansa ist der spektakuläre Abschied ihres Chefs, Christoph Franz, ein zusätzlicher Schock zur Unzeit. Die Airline befindet sich seit 2011 in einer von Franz gesteuerten Umstrukturierung. Er hat zuletzt den Vorstand fast vollkommen neu besetzt. Er wollte alte Strukturen aufbrechen und die Sanierung vorantreiben. Um 1,5 Milliarden Euro soll das Ergebnis bis 2015 verbessert werden. Auf Franz' Wunsch hat die Billigtochter Germanwings alle dezentralen Strecken im Europaverkehr übernommen, für viele traditionsbewusste Lufthanseaten war das lange Zeit undenkbar.

Dazu kamen die Auseinandersetzungen mit Vielfliegern, der Gewerkschaft, zahlreiche Streiks, sei es der Flughafen-Mitarbeiter oder der eigenen Flugbegleiter. Franz hat viele Kämpfe ausgetragen. Dazu kam, dass er seit seinem Wechsel zur Swiss 2004 auch seinen Wohnsitz in die Schweiz verlagert hat. In Frankfurt, dem Sitz der Lufthansa, wohnte er nur im Hotel. Er flog auch während der Woche mehrmals nach Zürich, wo seine Familie lebt.

Für Franz wird das Leben mit Sicherheit einfacher: Der hoch dotierte Posten als Roche-Präsident ist viel besser bezahlt und weniger aufreibend als der Lufthansa-Job. Dem Pharmakonzern geht es wirtschaftlich blendend. Bei der Lufthansa dürfte es auch nach dem Abgang von Franz zu keiner Strategieänderung kommen. Aber vielleicht bekommt die Airline wieder einen charismatischeren Chef. (Claudia Ruff, DER STANDARD, 17.9.2013)