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Polizisten bewachen in New York das Haus, in dem die Mutter von Aaron Alexis lebt.

Foto: REUTERS/LUCAS JACKSON

Washington - Die tödliche Schießerei auf einem Marinestützpunkt mitten in der US-Hauptstadt Washington wurde offenbar von einem Einzeltäter verübt. "Wir haben keinen Hinweis, dass es einen zweiten Schützen gab, selbst wenn wir das nicht vollständig ausgeschlossen hatten", sagte Bürgermeister Vincent Gray nach der Schießerei mit insgesamt 13 Toten in der Nacht auf Dienstag. Auch Polizeichefin Cathy Lanier zeigte sich zuversichtlich, dass die "einzige verantwortliche Person" herausgefunden worden sei.

Mutmaßlicher Schütze identifiziert

Die Bundespolizei FBI identifizierte den mutmaßlichen Schützen, der bei der Schießerei auch selbst getötet wurde, als Aaron Alexis. Der 34-jährige Afroamerikaner diente von 2007 bis 2011 in der Marine. Zuletzt war er als externer IT-Mitarbeiter für das Militär tätig: Angestellt war Alexis bei einer Firma, die im Auftrag des Computerkonzerns Hewlett-Packard bei der Marine die PC-Ausstattung erneuerte.

Die Behörden fahndeten in der Nacht auf Dienstag zunächst nach einem möglichen weiteren Verdächtigen, den Augenzeugen mit der Schießerei in Verbindung gebracht hatten. Dabei handelt es sich um einen schwarzen Mann zwischen 40 und 50 Jahren in einer militärähnlichen Uniform.

US-Medien hatten zunächst berichtet, dass sich der 34-Jährige mit dem Ausweis eines Ex-Mitarbeiters Zugang zu dem schwer bewachten Gebäude 197 verschafft haben, wo er das Blutbad am Montag anrichtete. Er habe ein Sturmgewehr, eine Shotgun und eine Handfeuerwaffe mit sich geführt.

Schütze war polizeibekannt

Schon vor der blutigen Tat war der Schütze polizeibekannt. Im September 2010 soll er durch die Decke seiner Wohnung geschossen haben und dabei fast seine Nachbarin getroffen haben, berichtete der Sender NBC. 2004 zerschoss er wutentbrannt die Reifen eines geparkten Autos, was der Schütze in eigenen Worten später als "Blackout" beschrieb, wie die Polizei Seattle im US-Westküstenstaat Washington mitteilte. Nach Angaben seines Vaters hatte er Probleme damit, seine Wutausbrüche unter Kontrolle zu bringen. Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 soll er aktiv bei den Rettungsmaßnahmen mitgeholfen haben und an einer posttraumatischen Belastungsstörung gelitten haben.

Die Schießerei ereignete sich am Vormittag (Ortszeit) in Gebäude 197 auf dem Marine-Areal. In dem Kommandokomplex arbeiten rund 3000 Menschen. Der sogenannte Navy Yard ist eine mehr als zwei Jahrhunderte alte Küstenanlage der Marine am Anacostia River, die heute verschiedene Kommando- und Verwaltungsstellen beherbergt. Darunter sind auch das Büro des Admiralstabschef der Navy und ein Militärgericht. Insgesamt arbeiten dort mehr als 10.000 Menschen.

Hunderte Mitarbeiter versuchten, sich vor dem Schützen in Sicherheit zu bringen. Augenzeugen berichteten im US-Fernsehen, wie sie Schüssen des Mannes nur knapp entgingen. Ein Techniker des Geländes wurde vor den Augen eines Marine-Kommandanten mit einem Kopfschuss niedergestreckt.

Flugverkehr vorübergehend ausgesetzt

Die Gegend, in der sich auch viele Wohnhäuser, Geschäfte und ein Baseball-Stadion befinden, wurde über Stunden weiträumig abgesperrt. Der Flughafen der Stadt setzte den Flugverkehr vorübergehend aus, nahm ihn aber später wieder auf. Helikopter kreisten über dem Gelände. Der Senat sagte seine Nachmittagssitzungen ab. Auch ein Profi-Baseballspiel im benachbarten Stadion wurde verschoben.

Sicherheitsalarm im Weißen Haus

Inmitten des Chaos kam es auch zu einem Sicherheitsalarm im Weißen Haus, nachdem ein Mann Böller über den Zaun um das US-Machtzentrum geworfen hatte. Nachdem Augenzeugen von Schüssen berichtet hatten, riegelten Sicherheitsbeamte den Präsidentensitz ab. Der Störenfried wurde überwältigt.

In den USA weckte der Fall Erinnerungen an den Amoklauf auf dem US-Militärstützpunkt Fort Hood in Texas. Dort erschoss im November 2009 der muslimische US-Militärpsychiater Nidal Hasan 13 Menschen, Dutzende wurden verletzt. Der 43-Jährige wurde dafür im vergangenen Monat von einer Militärjury zum Tode verurteilt. (APA, 17.9.2013)