Sexuelle Belästigung dürfte in der kleinen Ortschaft Pulkau kein großes Thema gewesen sein. Diesen Eindruck erhält man zumindest am vierten Tag des Prozesses um den Tod von Julia Kührer am Landesgericht Korneuburg. Die Jugendlichen aus der Clique der im Juni 2006 im Alter von 16 Jahren verschwundenen Kührer berichten über Übergriffe des Angeklagten Michael K. in dessen Videothek - und das nicht immer schockiert.

"Er ist mir mit einem Staubsauger über die Brust gefahren, dabei hat sich mein Ketterl verfangen. Dann ist er mir ins Leiberl gefahren, um es zu lösen", erzählt Kathrin K., eine Freundin Kührers über einen Vorfall. "Seid's schmutzig, soll ich euch putzen?", habe der heute 51-jährige Angeklagte damals gesagt. Und nachher, dass "es eh nur ein Spaß ist". K. leugnet - es sei eine zufällige Berührung aufgrund der beengten Platzverhältnisse in der Videothek gewesen.

Doch auch eine weitere Zeugin schildert, er "ist provokant aufgetreten. Als Mann halt." "Das ist aber nicht unbedingt normales männliches Verhalten" fragt Helmut Neumar, Vorsitzender des Geschworenengerichtes nach. "Na ja, er ist eine große Person gewesen, kein Kind mehr." "Das soll normal sein, dass keine Kinder in Videotheken arbeiten. War er ein bisserl ein Macho?" "Ja."

Nicht jeden hat das gestört. Phillip K. wiederum sagt, der Angeklagte sei eigentlich "recht lustig gewesen." Der Zeuge war auch mit Kührers Ex-Freund Thomas S. befreundet und wusste über die Schwierigkeiten in der Beziehung. Die junge Frau sei "zickig" gewesen, erzählt er. "Wenn Sie sagen zickig, wie würden Sie das beschreiben?", will Neumar wissen. "Weiblich." Lautet die kryptische Antwort.

Von Interesse waren auch die Aussagen von Tamara K., die Thomas S. damals mit Marihuana versorgt hat. Kührer habe sie nie bewusst wahrgenommen. Warum ein Zeuge schildere, sie habe mit ihr sogar die Telefonnummer ausgetauscht, will Verteidiger Farid Riffat wissen. Daran könne sie sich nicht mehr erinnern. Von Crystal Meth, das in Kührers Leiche nachgewiesen wurde, habe sie keine Ahnung.

Auch Ex-Freund Thomas S., der nach einem Krankenhausaufenthalt nun am Donnerstag befragt werden soll, spielt eine Rolle. Der habe nach dem Verschwinden Kührers angekündigt, keine Rauschmittel mehr kaufen zu wollen, da die Polizei an den Vorgängen in Pulkau interessiert sei. Die Mutter von S. wiederum beschreibt, ihr Sohn sei am Tag des Verschwindens zwar von der Schule daheimgeblieben, habe aber weder am Abend noch am nächsten Tag irgendein auffälliges Verhalten an den Tag gelegt. (Michael Möseneder, derStandard.at, 17.9.2013)